In Südafrika wurde nach der Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma die Armee eingesetzt. Grund dafür sind Aufstände und Proteste im Land. Bisher wurden 72 Menschen durch die Sicherheitsbehörden umgebracht. Die Proteste dauern weiter an.

Nicht einmal eine Woche ist es her, dass Zuma sich den Behörden stellte und seine Freiheitsstrafe von 15 Monaten akzeptierte. Diese wurde vom höchsten Gericht Südafrikas verhängt. Dabei ging es um die Aufklärung von Korruptionsvorwürfen gegen Zuma, bei denen er den Forderungen des Gerichts nach Kooperation nicht nachgekommen war. Das Verfahren wegen der Veruntreuung von Steuergeldern ist aber noch nicht abgeschlossen.

Nach der Festnahme Mitte letzter Woche kam es zu heftigen Protesten und Ausschreitungen in Südafrika. Besonders betroffen war die Region Gauteng mit der Metropole Johannesburg, eine der ökonomisch wichtigsten Regionen des Landes und die Provinz KwaZulu-Natal, aus der Ex-Präsident Zuma stammt. Im Zuge der Ausschreitungen wurde eine der zentralsten Autobahnen, die N3, die den Hafen bei Durban mit Johannesburg verbindet, blockiert.

Laut Aussagen der Behörden seien schon über 200 Kaufhäuser geplündert worden. Auf den Straßen seien Barrikaden errichtet worden, allerdings nicht nur von den Aufständischen, sondern auch von den Eigentümer:innen der Geschäfte als Selbstschutz vor Plünderungen. Die Regierung hat mittlerweile Soldaten in die beiden Regionen entsandt.

Die Krise im Land spitzt sich zu

Die Verhaftung des ehemaligen Präsidenten war der Funke, der das Pulverfass zum Explodieren brachte. Südafrika wurde von der aktuellen Weltwirtschaftskrise mit voller Härte getroffen. Die Arbeitslosigkeit stieg zeitweise auf mehr als 32% und auch der aktuelle Präsident Cyril Ramaphosa warnt vor einer mangelnden Nahrungsmittelversorgung. Diese würde durch die Proteste noch weiter verschärft werden.

Zu der ökonomischen Krise kommt aktuell noch die Krise im Gesundheitssystem durch eine weitere Corona-Welle hinzu. Südafrika macht mit mehr als drei Millionen Infektionen mehr als ein Drittel aller Infektionen des gesamten afrikanischen Kontinents aus. Die Krankenhäuser sind bereits weit über ihre Kapazitäten ausgelastet und behandeln größtenteils nur noch  Coronakranke. Selbst der Bürgermeister von Johannesburg verstarb letzte Woche an dem Virus.

In dieser krisenhaften Lage wurde ein weitgehender Ausnahmezustand verhängt. Er beinhaltet nächtliche Ausgangssperren ab 21:00 Uhr und ein umfassendes Versammlungsverbot im Freien. Kritiker behaupten, diese Maßnahmen seien wegen der Aufstandsbekämpfung und nicht für die Bekämpfung der aktuellen Corona-Welle verhängt worden.


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