Seit dem neuen Polizeigesetz in NRW darf die Polizei auch mit Tasern ausgerüstet werden. Nun läuft seit Beginn des Jahres ein Pilotprojekt in vier Städten des Landes, das die flächendeckende Einführung der Taser vorbereiten soll. Die Polizei-NRW veröffentlicht die ersten Zahlen zu ihrer Nutzung. obwohl es sich bei den Elektroschock-Pistolen um tödliche und unterschätzte Waffen handelt.

Die Polizei in NRW veröffentlichte kürzlich eine Reihe von Daten zur Nutzung der „Distanzelektroimpulsgeräte“ (DEIG), die meist eher unter dem Namen „Taser“ bekannt sind. Seit Beginn des Jahres werden solche Taser in vier Polizeibehörden als Teil der regulären Ausrüstung eingesetzt. Konkret sind es die Polizeibehörden in Dortmund, Gelsenkirchen, Düsseldorf und im Rhein-Erft-Kreis. Der Einsatz wurde demnach 110 Male angedroht. Abgefeuert wurden die Taser 18 Mal.

Die pistolenähnlichen Taser geben über Drähte, die mit Widerhaken am Körper des Gegners haften bleiben, mehrere Stromimpulse ab. Durch die hohe Ladung an Strom können Personen für einen begrenzten Zeitraum gelähmt werden. In den USA gehören die Elektroschock-Pistolen schon lange zur Grundausrüstung vieler Polizist:innen.

Nach der sogenannten „Erprobungsphase“ der Taser werde laut Angaben des Landes NRW eine Auswertung folgen, die bis Frühjahr 2022 dauern soll. Auf deren Grundlage wird anschließend entschieden, ob die Taser flächendeckend in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden sollen. Falls sie flächendeckend im Streifendienst eingesetzt werden sollten, müsste das Land rund 9.300 der Elektroschock-Pistolen anschaffen. Die Kosten dafür würden bei etwa 60 Millionen Euro für fünf Jahre liegen.

Unterschätzte, tödliche Waffe

In den USA sind die Taser schon seit Jahrzehnten im Einsatz. Eine Untersuchung der Nicht-Regierungs-Organisation (NRO) „fatalencounters.org“ schätzt die Tode durch den Einsatz der Taser seit 2010 auf mindestens 513. Damit zeigt die NRO, wie tödlich die Elektroschock-Pistolen wirklich sind.

So gibt es einige Fälle von Menschen, die an einer Herzkrankheit litten und durch den Schock des Tasers unmittelbar oder nach ein paar Stunden starben. Auch bei Menschen unter Drogeneinfluss kann der Einsatz eines Tasers tödliche Folgen nach sich ziehen, da viele Drogen das Herz-Kreislauf-System belasten. Darüber hinaus gibt es auch mehrere Berichte von Menschen, die, nachdem sie getasert wurden, stürzten und an den Folgen des Sturzes starben.

Eine genauere Betrachtung der Fälle in den USA zeigt auch, dass der Einsatz der Elektroschock-Pistolen nicht zu weniger Gewalt führt. In vier von fünf Fällen, die tödlich endeten, wurde die Polizei zu gewaltlosen Zwischenfällen gerufen. 84% der Toten waren unbewaffnet. Schwarze Menschen machten etwa 40% der Toten aus, was etwa dem Dreifachen ihres Anteils an der US-Bevölkerung entspricht.

Tote durch Elektroschock-Pistolen in Deutschland

Doch auch in Deutschland gibt es bereits Fälle, bei denen Menschen nach dem Einsatz von Elektroschock-Pistolen verstarben. So etwa bei einem dramatischen Fall, der sich Mitte Januar 2019 in der Kleinstadt Pirmasens im Südwesten Deutschlands abspielte. Ein psychisch kranker Mann sollte gegen seinen Willen aus seiner Wohnung ins Krankenhaus gebracht werden. Weil er nicht mitkommen wollte, versetzte ein Polizist ihm einen Stromstoß mit einem Taser. Davon erholte sich der 56-Jährige nicht wieder: Im Polizeiwagen kollabierte er und starb kurz darauf in der Notaufnahme des Krankenhauses.


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