Sachsen zählt momentan zu den Bundesländern mit den höchsten Corona-Fallzahlen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt fast bei 1000. Jetzt wird über die Notwendigkeit der „Triage“– der Priorisierung von Patienten und Behandlungen je nach Erfolgschance – diskutiert.

Erik Bodendieck, Präsident der sächsischen Landesärztekammer, warnte am Montag vor der Situation auf Sachsens Intensivstationen. Nur circa 10 Prozent der Intensivbetten stehen derzeit noch zur Verfügung. Mit einer Überlastung der Kapazitäten sei bald zu rechnen, sodass in manchen Regionen auf zwei Patient:innen nur noch ein Bett kommen werde. Eine Verlegung der Patient:innen sei dabei nicht möglich, da die umliegenden Bundesländer ähnlich starke Probleme bei der Versorgung hätten.

Käme es zu dieser Konkurrenz, würde sich für diejenige Person, die bessere Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung habe, entschieden werden müssen – die Triage-Situation. Dies betrifft zum Beispiel die Entscheidung, welche:r Corona-Patient:in an das Beatmungsgerät kommt und welche:r nicht. Laut Bodendieck haben in dieser Situation Ungeimpfte „eine sehr schlechte Überlebenschance.“ Denn ungeimpfte Corona-Patient:innen, die nicht im notwendigen Maße behandelt werden können, überlebten die Infektion in der Regel nicht.

Bodendieck nutzte also sein Statement auch, um massiv Druck auf Ungeimpfte auszuüben, indem er andeutet, dass ungeimpft zu sein zum Hauptkriterium dafür werden könnte, nicht mehr intensivmedizinisch behandelt zu werden.

Der Verbandspräsident, der Intensiv- und Notfallmediziner Gernot Marx, hingegen ist der Meinung, dass es nicht zu einer Triage in Sachsen kommen werde. Stattdessen müssten die Patienten in andere Bundesländer verlegt werden, wobei diese Verlegungen vom sächsischen Sozialministerium bereits vorbereitet würden. Marx schließt auch eine Unterscheidung zwischen geimpften und ungeimpften Patient:innen aus. SPD-Politiker Karl Lauterbach spricht ebenfalls von Verlegungen, die er als „riesige Evakuierung“ bezeichnet, und fordert die Umsetzung durch die Bundeswehr und ihre Flugzeuge.

Aber auch in Regionen mit niedrigeren Inzidenzen ist die Lage kritisch: Nicht einmal mehr 100 freie Intensivbetten gibt es momentan in Berlin. Dazu kommt, dass es aufgrund von abgewanderten Fachkräften 250 Betten weniger gibt. Eine Triage sei laut Intensivmediziner:innen hier auch kein Tabu mehr. Was jetzt schon längst passiere, sei das Priorisieren bei Operationen, die verschoben werden müssten.

Insgesamt sind in Deutschland laut des Verbands der Intensiv- und Notfallmedizin 25.005 Intensivbetten betriebsbereit, 12,6 Prozent von ihnen sind momentan noch frei.


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