Die Corona-Zahlen gehen wieder durch die Decke. Erste Politiker:innen erhöhen den Druck auf nicht geimpfte Menschen weiter. Das Virus aber wird sich so oder so weiter verbreiten. Ein Kommentar von Paul Geber

Die Zahl der an einem Tag registrierten Coronainfektionen hat heute mit fast 34.000 einen neuen Allzeitrekordwert für Deutschland erreicht. Dass mehr Infektionen erst verspätet gemeldet wurden, weil das Wochenende durch Allerheilligen vielerorts verlängert worden war, dürfte ein schwacher Trost für die Coronapolitik sein, denn der Winter steht ja noch bevor.

Nachdem der Bundestagwahlkampf Schnee von gestern ist und die Parteien entweder ihre Wunden lecken oder sich in die Koalitionsverhandlungen und das Pöstchengeschacher gestürzt haben, ist deutlich zu spüren, dass auch unpopulärere Maßnahmen zur Pandemiekontrolle wieder freimütiger diskutiert werden. Ein neuer Lockdown wird zwar noch meist ausgeschlossen, aber immer öfter bereits mit dem Zusatz „Zumindest für Geimpfte“.

So haben Baden-Württemberg und Bayern nun auch erste Schritte in diese Richtung unternommen, dass Ungeimpfte ab Infektionszahlen, die momentan vielerorts erreicht werden, nur noch mit einem negativen PCR-Test Zugang zu großen Teilen des öffentlichen Lebens haben, muss wohl vor allem als zusätzlicher Druck verstanden werden, um die Impfunwilligen doch noch zum Impfen zu bewegen, denn die Quote falsch-negativer Schnelltests ist enorm niedrig, viel häufiger sind Schnelltests falsch-positiv.

Dabei hat der im Sommer propagierte Plan, sich die Freiheit zurück zu impfen offenbar sowieso nicht geklappt. Mittlerweile wird auch deutlicher, dass dies nicht allein den Ungeimpften anzulasten ist, auch die Zahl der Impfdurchbrüche wird mit nachlassender Wirkung immer höher. Wie eine Auffrischungsimpfkampagne genau aussehen soll, ist derweil ziemlich unklar, vor allem wer genau den Impfstoff verabreichen könnte. Die Impfzentren haben nämlich gerade vielerorts wieder geschlossen.

Während noch vor wenigen Monaten offensiv vertreten wurde, jede Impfung sei um Längen besser als jeder Test und kosequenterweise die Förderung für Testzentren eingestellt wurde, stellt sich mittlerweile die Frage, ob diese Herangehensweise viele Menschen mit Erkältungssymptomen nicht in falscher Sicherheit für sich selbst und ihr Umfeld wiegt.

Es bleibt sehr fraglich, ob die deutlich teureren PCR-Tests als Zugangsvoraussetzung in Bayern und Baden-Württemberg helfen, viele Menschen dazu zu bewegen, sich doch noch impfen zu lassen. Gut möglich aber, dass die Zahl der überhaupt gemachten Tests im Winter mit solchen Maßnahmen weiter nachgibt und gerade alle von Impfskeptiker:innen bis hin zu „Corona-Leugner:innen“ ihre Infektion noch seltener feststellen.


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