In der Region rund um die spanische Kleinstadt Cádiz findet seit Montag ein unbefristeter Streik der Metallarbeiter:innen statt. Bei Demonstrationen kommt es zu Konfrontationen mit der Polizei. Straßen, Fabriken und Zugverbindungen werden blockiert. Dennoch erhält der Streik eine breite Unterstützung. Am Dienstag wollen sich auch Studierende anschließen.

Die spanische Stadt Cádiz liegt im Südwesten Spaniens, Marokko kann man von dort aus in einer Stunde per Schiff erreichen. Seit der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 hat sich die Lage der Arbeiter:innenklasse in und um die Stadt massiv verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 23,16% – weit über dem nationalen Durchschnitt von 14,57 %. Unter Jugendlichen sind es fast 40%, die arbeitslos sind.

Rund 120.000 Einwohner leben in der Cádiz, das auch als touristischer Ort bekannt ist. Doch es gibt vor allem einen umfassenden Metallsektor um die Stadt herum. In diesem kommt es derzeit zu heftigen Klassenkämpfen, die auf den gesamten spanischen Staat ausstrahlen.

Seit Montag befindet sich hier ein Großteil der 30.000 Metallarbeiter:innen der Region im unbefristeten Streik. Die Gewerkschaften sprechen von einer Streikbeteiligung von 98%. Die Kämpfe finden statt, nachdem ihr Tarifvertrag im September ausgelaufen war und sich Gewerkschaftsvertreter:innen und Unternehmer:innen bisher nicht einigen konnten.

Der Kampf dreht sich insbesondere um eine Anpassung der Löhne an die Inflation, die im Oktober bei 5,4% lag. Außerdem rebelliert man für eine Gefahrenzulage und kämpft gegen die Schließung eines Airbus-Werks. Zudem soll ein neuer vorgeschlagener Tarifvertrag eine Laufzeit von nur 12 Monaten haben, um dann erneut verhandeln zu können. Der Metall-Arbeitgeberverband „FEMCA“ lehnt dies ab und schlägt eine Erhöhung um 2% pro Jahr vor. Damit würden die Arbeiter:innen einen klaren Reallohnverlust hinnehmen müssen.

Der Streik hat mittlerweile nationale und internationale Aufmerksamkeit erregt – auch durch die Heftigkeit der Straßenkämpfe. Die Fabriken wurden – ebenso wie zentrale Zufahrtsstraßen und Hauptstraßen in der Stadt – mit brennenden Barrikaden blockiert. Die Arbeiter:innen sehen dies als Kampf zwischen zwei Klassen: In einem Video ist die Parole „Es lebe der Kampf der Arbeiterklasse“ zu hören.

Am Dienstag schickte nun die sozialdemokratische Regierung Spezialeinheiten der Polizei zur Aufstandsbekämpfung. Diese gingen mit Gummigeschossen gegen die Protestierenden vor.

Die Metallarbeitergewerkschaft von Cádiz erklärte auf einer Pressekonferenz, dass ihr Kampf – der unbefristete Streik für die Erhaltung der Kaufkraft der Arbeiter:innen – zu einer „Referenz“ für andere Sektoren und Gebiete des Landes werde, ein Faktor, der „uns dazu zwingt, aufzustehen“ und den Kampf nicht aufzugeben, ohne dass Forderungen erfüllt worden seien.

„Es gibt eine nationale Bewegung, die erwartet, was passiert“, sagte der Provinzsekretär für Industrie der „Unión General de Trabajadores“ (UGT), Antonio Montoro, der erklärte, dass viele andere Sektoren darüber nachdenken, warum sie den Kampf für einen Inflationsausgleich aufgegeben hätten und Tarifverträge mit nur 1% Lohnsteigerung unterzeichneten.

Derweil versuchen rechte Medien die Ausschreitungen als „kriminell“ darzustellen, was von den Arbeiter:innen aufgegriffen wird: Auf Demonstrationen rufen sie deshalb: „Wir sind Arbeiter, keine Kriminellen!“.

In der Zwischenzeit geht der Streik weiter, und die Demonstrierende planen bereits für diesen Samstagmorgen eine Streikpostenkette vor den Toren des Unternehmens „Navantia San Fernando“.

Ebenfalls für diesen Samstag hat die Gewerkschaft „Confederación General del Trabajo“ „CGT“ zu einer Demonstration ab 17.00 Uhr in Cádiz aufgerufen. Tatsächlich scheint der Streik auch andere Teile der Gesellschaft zu mobilisieren. Die Gewerkschaftsbünde UGT und CCOO („Comisiones Obreras“) rufen zu einer Massendemonstration am kommenden Dienstag um 11.00 Uhr in Cadiz auf, am selben Tag, an dem die Studierendenvereinigung einen Unistreik zur Unterstützung der Metallarbeiter:innen vorgeschlagen hat.


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