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Donnerstag, April 18, 2024
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    Bahntickets im Nahverkehr gegenüber 2015 um 19 % teurer – Löhne hinken hinterher

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    Während in der Öffentlichkeit kontinuierlich über Maßnahmen zum Klimaschutz beraten wird, wird der klimaschonende Nahverkehr immer teurer. In den letzten Jahren sind die Preise dort um 19 Prozent angestiegen – während die Verbraucherpreise „nur“ um 16 Prozent stiegen. Doch auch damit halten die Löhne nicht schritt.

    Neun Euro fürs Monatsticket – das will die Bundesregierung für drei Monate finanzieren. Eingeplant sind 2,5 Milliarden Euro, ein Bruchteil des geplanten Aufrüstungspakets für die Bundeswehr. Dennoch dürfte das für Bürger:innen eine kurzzeitige Entlastung bedeuten. Denn die Preise im Nahverkehr steigen schneller als die Inflation. So verteuerten sich Bahnfahrten im Nahverkehr überdurchschnittlich: Die Preise dafür stiegen seit 2015 um 19,0 % – und damit stärker als die Verbraucherpreise insgesamt (+16,2 %), wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.

    Tickets für die kombinierte Personenbeförderung verteuerten sich unterdurchschnittlich um “nur” 13,0 %. Darunter fallen also Verbundtickets, die die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel wie Bus, U-Bahn oder Regionalzug ermöglichen. Solche Tickets sind zum Beispiel Schüler:innen, Studierenden- oder Jobtickets.

    Zuletzt waren die Preise für Tickets weiter gestiegen, allerdings nicht so stark wie die Verbraucherpreise insgesamt. So zahlten Fahrgäste im April 2022 für ein Bahnticket im Nahverkehr 2,6 % mehr als im Vorjahresmonat.

    Auto bleibt Verkehrsmittel Nr. 1

    Der Personenverkehr mit Bus und Bahn spielt in Deutschland wie in der Europäischen Union (EU) noch eine untergeordnete Rolle. Nur knapp ein Fünftel des motorisierten Personenverkehrs entfielen in der EU im Jahr 2019 auf öffentliche Verkehrsmittel, 81 % auf das Auto. In Deutschland lag der Anteil des öffentlichen Personenverkehrs mit 17 % noch unter dem EU-Durchschnitt. Am häufigsten wurden Bus und Bahn in Tschechien (Anteil 33 %) und Ungarn (31 %) genutzt, am seltensten in Litauen (9 %) und Portugal (13 %).

    Das schlägt sich auch in den durchschnittlichen Ausgaben pro Haushalt nieder. Im Jahr 2020 gab jeder Haushalt in Deutschland durchschnittlich rund 24 Euro pro Monat für Fahrkarten aus. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es noch rund 33 Euro monatlich. Ein Grund für den Rückgang der Ausgaben dürfte sein, dass die Menschen während der Pandemie seltener öffentliche Verkehrsmittel nutzten.

    Ausgehend von der Hohen Autonutzung ist davon auszugehen, dass also einige Haushalte mit den Ticket-kostet besonders belastet sind, während andere viel Geld für Tankfüllungen ausgeben.

    Während die Preise davon galoppieren kommen zudem die Löhne nicht nach. Im Jahr 2020 sanken die Reallöhne um 1,1 Prozent, im Jahr 2021 um 0,1 Prozent. Für das Jahr 2022 wird eine durchschnittliche Inflation von mindestens 6,1% erwartet. Da die Gewerkschaften derweil niedrige Lohnabschlüsse mit der Kapital-Seite verhandeln, wird voraussichtlich auch in diesem Jahr der Reallohn fallen.

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