Personalmangel, Bettenmangel, unnötige Operationen. Wer über das deutsche Gesundheitssystem spricht, verbindet dies häufig mit negativen Schlagzeilen, die leider ein reales Problem in der Gesundheitsversorgung darstellen. Um zu verstehen, wie es zu diesen Engpässen kommt, müssen wir uns das DRG-System und somit die Wirtschaftsweise von Krankenhäusern genauer anschauen. – Ein Kommentar von Elena Behnke

Das “DRG-System” (Diagnoses related group – DRG) ist ein pauschalisiertes Abrechnungssystem, nach welchem Patient:innen je nach Diagnose, Therapie und durchschnittlicher Behandlungsdauer unterschiedlich eingruppiert werden. Je nachdem, in welche Kategorie ein:e Patient:in fällt, wird dem behandelnden Krankenhaus eine einmalige Pauschale ausgezahlt.

Das bedeutet konkret, dass die Finanzierung von Krankenhäusern direkt an die Anzahl der Patient:innen gekoppelt ist. Je mehr Menschen behandelt werden, desto mehr Pauschalen werden der Klinik von den Krankenkassen ausgezahlt.

Zur Profitsteigerung gehört es demnach auch, die Liegedauer von Patient:innen so kurz wie möglich zu halten. Das wiederum führt häufig zu sogenannten “blutigen Entlassungen”, also halbgare Entlassungen von Patient:innen, die gesundheitlich durchaus von einer längeren stationären Versorgung profitieren würden.

Krankenhäuser sind somit nichts anderes als eine „weiße Fabrik“, die möglichst viele Menschen in kürzester Zeit abfertigt, um im Sinne des Kapitalismus ökonomisch effizient zu arbeiten.

Gezielter Personalabbau

Die Folgen davon sind gravierend – sowohl für das ärztliche und pflegerische Personal, als auch für die Patient:innen. Denn wie überall sind es zuerst die Personalkosten, an denen gespart werden soll, und das funktioniert am schnellsten durch massiven Personalabbau und das absichtliche Knapphalten von verfügbaren Stellen.

Die chronische Unterbesetzung wiederum führt einerseits dazu, dass das volle Potential an Behandlungsqualität nicht ausgeschöpft werden kann und andererseits auch dazu, dass Betten gesperrt werden müssen. Darunter wiederum leiden Patient:innen, die dringend auf eine stationäre Behandlung angewiesen sind, aber schlichtweg nicht stationär aufgenommen werden können, selbst wenn es theoretisch leere Betten gibt.

Die Spitze der Absurdität ist schließlich die Menge an unnötigen Eingriffen, um die Kosten für „unprofitable Patient:innen“ wieder reinzuholen. So ist seit der Einführung der Fallpauschale 2004/2005 das Implantieren von künstlichen Hüftgelenken um mehr als 22% gestiegen, bei Kniegelenken sind es sogar 48%. Und das alles im Namen der Konkurrenz, im Namen der sogenannten freien Marktwirtschaft.

Reformismus bringt uns nicht weiter

Die Probleme innerhalb des Gesundheitssystems hängen also alle unmittelbar mit der Art und Weise zusammen, welchem wirtschaftlichen Zwang die Kliniken unterlegen sind. Der Druck zur Profitmaximierung findet hierbei sowohl auf Kosten des Personals, als auch aller Patient:innen statt, die entweder unzureichend behandelt oder unnötig operiert werden. Dieser wirtschaftliche Zwang lässt sich nicht reformieren.

Wir können nicht an einem einzelnen Rädchen drehen und denken, dass dadurch etwas besser wird. Zu komplex hängen diese Probleme miteinander zusammen. Deshalb hilft nur eins: Kapitalismus bekämpfen, Sozialismus aufbauen! Für medizinische Forschung und Wissenschaft im Sinne der Menschen und nicht für den Profit! Für eine Gesundheitsversorgung für alle, ohne Kompromisse!


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