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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Deutsche Bahn: GDL fordert mehr Geld und 35-Stunden-Woche

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    Derzeit verhandelt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit der Deutschen Bahn über einen neuen Tarifvertrag. Bisher liegen die Angebote der DB weit unterhalb der Inflationsrate. Jetzt schaltet sich die GDL ein und heizt die Debatte weiter an.

    Rund 650 Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich am 5. Juni 2023 in Berlin für die Bekanntgabe ihrer Forderungen: Sie richten sich in erster Linie an die Deutsche Bahn AG als größtes Eisenbahnverkehrsunternehmen Deutschlands.

    Die fünf Kernforderungen umfassen neben Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen auch weitere Verbesserungen für die Bahnbeschäftigten:

    „1. 555 Euro allgemeine Entgelterhöhung sowie eine entsprechend deutliche Entgelterhöhung für Azubis und Erhöhung der Zulagen für Schichtarbeit (zum Beispiel der Nachtarbeitszulage) um 25 Prozent.
    2. Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden pro Woche für Schichtarbeiter ohne anteilige Lohnabsenkung.
    3. Zusätzlich: steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro, unabhängig ob Teilzeit- oder Vollzeitarbeitnehmer.
    4. Fünf Prozent Arbeitgeberanteil für die betriebliche Altersvorsorge.
    5. Einführung der Fünf-Schichten-Woche für Arbeitnehmer im Schichtdienst.“

    Streit zwischen den Gewerkschaften

    Dieser Aufschlag kommt in einer Zeit, in der sich die größte Eisenbahn-Gewerkschaft im Tarifstreit mit den Verkehrsunternehmen befindet. Die EVG verhandelt nun bereits seit März mit der DB und hat in dieser Zeit zwei Warnstreiks organisiert. Der dritte wurde kurzfristig durch ein Arbeitsgericht gestoppt. Sie vertritt in den Verhandlungen rund 180.000 Beschäftigte, während der Tarifvertrag der GDL für rund 10.000 Beschäftigte gilt.

    GDL-Streik: Die Betriebsrente ist sicher, die Reallohnsenkung auch!

    Nach dem Tarifeinheitsgesetz (TEG) darf die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern in einem Betrieb den Tarifvertrag aushandeln. Von den 300 Bahnbetrieben hat die GDL bisher in 18 Betrieben die Mehrheit und kann damit dort den Tarifvertrag aushandeln. In 70 Betrieben konkurrieren EVG und GDL, weil dort Mitglieder beider Gewerkschaften arbeiten. Mit dem genannten Forderungskatalog und einer klareren, selbstbewussteren Haltung könnte die GDL versuchen, ihre Basis für ihre bevorstehenden Tarifverhandlungen auszuweiten.

    Im Zuge dessen hat sie auch beschlossen eine Genossenschaft zu gründen, die mit attraktiveren Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung den Arbeiter:innen den Rücken stärken soll.

    Gründung der Genossenschaft „Fair Train e.G.“

    Der Personalmangel plagt die Bahn schon seit Jahrzehnten, doch die Situation spitzt sich immer weiter zu. Laut GDL kämen auf 100 offene Lokomotivführer:innen-Stellen im Schnitt lediglich 54 qualifizierte Bewerber:innen. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der derzeit angestellten Fachkräfte in den nächsten Jahren in Rente gehen wird. Die unzureichende Bezahlung, sowie die schlechten Arbeitsbedingungen und die unflexible Schichtarbeit seien hier die Grundprobleme. „Damit muss Schluss sein, sonst werden wir in Deutschland in wenigen Jahren auf neu ausgebauten Strecken Ziegen halten können, weil keiner mehr in den Zügen arbeiten will“, so der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky.

    Die Genossenschaft soll als Personaldienstleister arbeiten und den Eisenbahnverkehrsunternehmen Leiharbeiter:innen zur Verfügung stellen. Diese sollen aber nicht – wie in anderen Branchen – als billige Arbeitskräfte dienen, sondern zu besonders guten Konditionen arbeiten. Das würde der akute Mangel an Arbeitskräften erforderlich und möglich machen. Die Gewinne der Genossenschaft sollen dann wiederum an die Mitglieder und Mitarbeiter:innen zurückfließen. Mit diesem Projekt dürfte die GDL-Führung vor allem anstreben, sich im Angesicht der existentiellen Bedrohung ihrer Gewerkschaft durch das TEG (Tarifeinheitsgesetz) ein zweites Standbein aufzubauen.

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