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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Zwischen Regenstürmen und Dürre – Deutschland bekommt Probleme

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    In den vergangenen Tagen kam es vielerorts in Deutschland zu Platzregen. Trotz Niederschlags sieht es hierzulande jedoch trocken und bezüglich des Grundwassers eher düster aus. Die jüngsten Schauer sorgten stattdessen für Überschwemmung statt Auffrischung. 

    Von Donnerstag auf Freitag kam es deutschlandweit zu überfluteten Straßen, Kellern oder umgestürzten Bäumen. Die Feuerwehr musste zu tausenden Einsätzen ausrücken. Es gibt immer noch Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft ist teils eingeschränkt. Insgesamt lief die Unwetter-Nacht aber eher glimpflich ab. Diese Art von Unwettern nehmen jedoch Jahr für Jahr zu – auch das ist Teil des Klimawandels.

    Eine andere Folge: Der Grundwasserspiegel ist in einigen Regionen um bis zu 1 Meter abgesunken. Laut Städte- und Gemeindebund kam es im vergangenen Jahr in 30 Städten und Kreisen daher zu Beschränkungen für die Wasserentnahme – nicht nur für Privatleute, sondern auch für die Industrie und die Landwirtschaft.

    Die Wasserlage dieses Jahr

    Auch dieses Jahr haben Städte und Kommunen in verschiedenen Regionen Deutschlands die Wasserabnahme wegen der anhaltenden Dürre bereits eingeschränkt. In Salzwedel in Sachsen-Anhalt darf beispielsweise kein Wasser aus offenen Gewässern wie zum Beispiel Flüssen abgepumpt werden. Anwohner dürfen ihre Gärten zwischen 10 und 19 Uhr nicht mit Grundwasser aus privaten Brunnen gießen. Aus dem Büro des Landrats heißt es, dass die Grundwasserstände im gesamten Kreisgebiet aktuell um bis zu 1 Meter gegenüber dem Normal-Stand abgesunken sind. Einige Bäche seien bereits ausgetrocknet.

    Weltweit haben laut einer neuen Studie mehr als die Hälfte aller natürlichen Seen und der Stauseen in den letzten Jahrzehnten an Volumen verloren. Natürliche Seen und Stauseen speichern etwa 87% des Oberflächen-Süßwassers der Erde. Die Austrocknung geht den Wissenschaftlern zufolge größtenteils auf den menschengemachten Klimawandel sowie den menschlichen Verbrauch (Industrie, Landwirtschaft, Trinkwasser) zurück.

    Städte- und Gemeindebund-Geschäftsführer Gerd Landsberg rechnet mit weiteren Dürreperioden, auch in den kommenden Jahren. Die Landwirtschaft müsse sich langfristig auf Wasserknappheit einstellen. “Das heißt, die Landwirte müssen andere Produkte anbauen.” Allerdings gibt er zu bedenken, dass, wenn ehemalige Ackerflächen in ein neues Wassergewinnungsgebiet umgebaut würden, dies mit Beschränkungen einhergehen könne, wie z.B. dass weniger organischer Dünger aufgebracht werden dürfe. „Und da reagieren doch viele Eigentümer eher reserviert.”, so Landsberg.

    Behelfsmäßige Maßnahmen: Mehr Bohren, Speichern, Umleiten

    Im März 2023 hat der Bund verspätet ein erste „Nationale Wasserstrategie“ beschlossen. Dort finden sich bislang wenig konkrete Maßnahmen, allerdings werden viele wichtige Aspekte benannt: So sollen unter anderem kranke Wälder und Grünflächen wiederhergestellt und betonierte Flächen entsiegelt werden.

    Experten hätten schon seit Jahren auf konkrete Maßnahmen gedrängt. Torben Ostermann mutmaßt deshalb in der Tagesschau : „Zu groß ist womöglich auch der Druck von denen, die besonders viel Wasser verbrauchen, wie etwa der Energiesektor. Atomkraftwerke verschlingen riesige Mengen Wasser zur Kühlung, ähnlich problematisch ist der Umgang mit Grundwasser im Tagebau.

    Doch die Vorgängerregierung von Union und SPD habe sich nicht endgültig einigen können: Da sei zu oft „zu viel Streit“ in der Bundesregierung gewesen, meint Steffen Bilger (CDU) selbstkritisch. Die meisten Förderprogramme würden wegen der langen Vorlaufzeiten erst nach und nach 2023 und 2024 anlaufen können, erklärt das Ministerium. 

    Künftig soll es technisch möglich sein, deutschlandweit im Blick zu haben, wo gerade wieviel Wasser vorhanden ist – mithilfe eines Registers, in dem zum Beispiel das Grundwasservorkommen erfasst wird. Mittels Fernwasserleitungen könnten trockenere Regionen dann mit Wasser versorgt werden, eine Art Umleitung von Trinkwasser also.

    Brandenburg: Tesla, Rheinmetall, Dürre, Brände

    Derweil will der Elektroauto-Hersteller Tesla sein Fabrikgelände ausbauen und Rheinmetall eine neue Fabrik in derselben Region bauen. Bei Tesla komme jetzt die erste Ausbaustufe der neuen “Gigafactory” hinzu. Das entspräche dem Verbrauch von weit über 40.000 Menschen. Für weitere Ausbaustufen sieht der Wasserverbandschef André Bähler die Versorgung daher am Limit. Wenn nichts passiere, so Bähler, könne es sein, dass an Tagen mit Spitzenverbrauch die Trinkwasserversorgung eingeschränkt werden müsse.

    Tesla-Chef Elon Musk wiederum reagierte 2021 amüsiert auf die Frage nach dem Wasserproblem: “Es ist genug Wasser hier, schauen Sie sich um!” Und auf die Frage einer Kontraste-Reporterin, warum der örtliche Wasserversorger sage, für weitere Ausbaustufen nicht das nötige Wasser zu haben, reagierte Musk mit einem Lachen: “Das ist komplett falsch! Sieht das hier aus wie eine Wüste?”

    Grünes Licht für Teslas Gigafactory trotz Gerichtsurteils gegen Wasserförderung

    Im Jahr 2022 gab es ein Urteil gegen die Nutzung von dem knappen Wasservorkommen in Brandenburg durch das Unternehmen Tesla für dessen neue Fabrik. Dieses wurde inzwischen umgangen, Tesla will wie beschrieben das Fabrikgelände sogar weiter ausbauen.

    Zu allem Überfluss überlegt auch Rheinmetall, eine neue Waffen-Fabrik in Brandenburg zu bauen – gleich neben Tesla. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte am vergangenen Samstag bestätigt, dass sich Brandenburg um eine Ansiedlung bemüht. Die Ausstattung der Luftwaffe mit Jets des Herstellers “Lockheed Martin” sei dank des 100-Milliarden-Euro-Pakets der Bundesregierung möglich, erklärte er gegenüber der Märkischen AllgemeinenWeil Deutschland so viel Geld investiere, halte er es für geboten, dass Deutschland beziehungsweise Brandenburg möglichst viel davon profitiere. Die Fertigung würde Hochtechnologie-Arbeitsplätze ins Land bringen, wenn Brandenburg den Zuschlag erhielte.

    Derweil sind die verheerenden Waldbrände in Brandenburg zu großen Teilen genau auf die Dürre zurückzuführen: Das Feuer bei Jüterborg ist nicht das erste dieser Saison. Schon jetzt in diesem Jahr gab es in Brandenburg bereits rund 70 Brände. Allein in diesem einen Bundesland sind also bei Bränden dieses Jahr insgesamt ca. 170 Hektar Fläche verbrannt. In vielen Brandenburger Flüssen und Seen gibt es wegen der anhaltenden Trockenheit wenig Wasser. Brandenburg/Havel reagiert nun: die Nutzung des Grundwassers zur privaten Gartenbewässerung wird bis Ende September eingeschränkt.

    Auch in Berlin spürt man die anhaltende Trockenheit: Im Jahr 2022 habe man nur 68% der durchschnittlichen Niederschlagsmengen gehabt. Die Folge: ein bis zu 75 Zentimeter gesunkener Grundwasserstand, sagt Donner von den Berliner Wasserbetrieben.

    Die Lösung: Brandenburg und Berlin wollen nun wegen der drohenden Probleme bei der Trinkwasserversorgung Pipelines zu Ostsee oder Elbe  bauen.

    Kurzfristige Maßnahme

    Dürre baue sich „sehr langsam“ auf, das heißt „über Monate“, und sie kann „über Jahre bleiben“. Es brauche dann „bis zu einem halben Jahr mit überdurchschnittlichem Niederschlag“, bis Regen eine Dürre-Entwicklung aufwiegen könne, so der wissenschaftliche Koordinator am “Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung” und Leiter des “UFZ-Dürremonitors”, Dr. Andreas Marx.

    Dass in Frankreich die Bevölkerung aufgerufen wurde, Wasser zu sparen, greift aus seiner Sicht zu kurz. Es sei nämlich „nicht mehr der private Wasserkonsum, den man hier ins Auge fassen sollte.“ Vielmehr müsse man dafür sorgen, „dass alle großen Wasserverbraucher – insbesondere die Industrie – hier in die Pflicht genommen werden, wenn es darum geht, Wasser einzusparen.“, so Marx.

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