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Donnerstag, Mai 30, 2024
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    US-amerikanische Automobilarbeiter:innen-Gewerkschaft streikt

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    In der US-amerikanischen Automobilbranche wird gestreikt. Im Fokus stehen die drei großen Monopole Ford, General Motors und Stellantis (Chrysler).

    Wenigstens dem Ausmaß nach könnte der aktuelle Streik in der US-amerikanischen Autoindustrie historisch werden. Die UAW (United Auto Workers), eine nordamerikanische Gewerkschaft, ist die größte Gewerkschaft im Automobil-Sektor der USA. Mit insgesamt knapp 400.000 Mitgliedern ist sie vor allem bei den drei größten Autoproduzenten der USA vertreten: bei Ford, General Motors und Stellantis, der ein Mischkonzern aus Peugeot und Chrysler ist. Alle drei Konzerne sind auch als „Big Three“ bekannt. Aktuell werden alle drei Werke bestreikt: seit zwei Tagen wird in Wayne (Michigan), Wentzville (Missouri) und Toledo (Ohio) nicht mehr gearbeitet.

    Wieso streiken?

    In der Nacht vom 14. auf den 15.9. begann der unbefristete Streik, und 13.000 Arbeiter:innen legten ihre Arbeit nieder, organisierten Demonstrationen und Streikposten. Das war das Stichdatum, an dem der alte Tarifvertrag endete. Die parallel laufenden Verhandlungen konnten bis dahin noch nicht abgeschlossen werden, weswegen die UAW zum Streik aufrief.

    Geplant ist, in die „historischen Fußstapfen der Gründer:innen der UAW zu treten“ und kämpferisch zu streiken bis zum Erreichen des erklärten Ziels.

    Die Forderungen reichen von einer bezahlten Krankenversicherung für Rentner:innen, der (Weiter-)Bezahlung von Entlassenen, einer Rentenversicherung von Unternehmenseite über die Erhöhung der Zeit-und Leiharbeiter:innenlöhne auf das gleiche Niveau wie das der Stammbelegschaft, eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleicher Bezahlung bis hin zur wohl populärsten Forderung: die Erhöhung des Lohns um 40% im Laufe von fünf Jahren. In genau diesem Maße seien nämlich die Einkünfte führender Manager der Konzerne in der Vergangenheit gewachsen.

    Bis jetzt sind es nur drei Standorte, an denen es zur Arbeitsniederlegung kam. Das Konzept des „Stand up“-Streiks ist dabei darauf ausgelegt, dass sich nach und nach – auch unangekündigt – dann mehr Betroffene anschließen, wenn es die Verhandlungen erfordern. So soll verhindert werden, dass sich das Management darauf vorbereiten kann und die Produktion beispielsweise rasch verlagert. So könnten also im Laufe des Streiks weitere 135.000 Arbeiter:innen der Automobilbranche streiken.

    Heute: Immerhin „kämpferischeres“ Auftreten

    Vor wenigen Monaten hatten die Mitglieder der Gewerkschaft dann das erste Mal das Recht, den oder die Vorsitzende:n der UAW zu wählen. Sie wählten Shawn Fain, der zumindest in Worten als kämpferischer Gewerkschafter auftritt und sich gegen die Korruption stellt. Dadurch kam etwas mehr Schwung in die Organisation, und der Wille der Mitglieder findet zur Zeit auch mehr Gehör.

    Diesem deutlichen Aufwärtstrend der kämpferischen Stimmung unter den Arbeiter:innen in den USA, den man an den letzten Streikwellen in der Filmindustrie oder bei Amazon unschwer erkennen konnte, möchte sich die UAW also nicht zu offensichtlich entgegenstellen. Bei den Verhandlungen um eine Lohnsteigerung für die nächsten vier Jahre hat die UAW aber bereits um 4 Prozentpunkte nachgegeben: mit einem Angebot von 20 Prozent Lohnsteigerung für viereinhalb Jahre liegen die Unternehmer:inne jedoch immer noch weit unterhalb der Forderungen der Gewerkschaft – auch wenn ein neuerlichess Angebot der Verhandlungspartner noch 20% Lohnerhöhung über eine Laufzeit von nun nur noch 4 Jahren vorsieht. Wie weit dieser Trend von dem Gewerkschaftsapparat aber mitgemacht wird, muss weiter beobachtet und abgewartet werden – denn: verraten hat die UAW ihre Mitglieder in der Vergangenheit schon oft genug.

    Profite oder gute Arbeitsbedingungen und Löhne?

    So hatte die UAW nämlich in ihrer Vergangenheit schon diversen großen Angriffen auf die amerikanische Arbeiter:innenklasse zugestimmt: im Vorlauf der Wirtschaftskrise von 2007 bis 2009 stimmte die UAW z.B.  einem Sparprogramm bei den „Big Three“ zu: Die Löhne wurden fast halbiert, die Weiterzahlung von Löhnen Entlassener wurde gestrichen, und die Rentenvorsorge wurde von der Gewerkschaft übernommen. Schon damals jammerte die US-amerikanische Automobilbranche, dass ihre Profite durch diese Bedingungen verringert würden und sie mit der Konkurrenz von Honda und Toyota nicht mithalten könnte, weil diese noch niedrigere Löhne bezahlen würden.

    Mit den schlechteren Arbeitsbedingungen und niedrigeren Löhnen schmälerten sich die Gewinne von Ford, General Motors und Stellantis jedoch keineswegs, sondern wuchsen wieder beträchtlich an. Heute wie damals gehören sie zu den führenden Automobilkonzernen, die weiterhin ihre Profite auf dem Rücken der bei ihnen angestellten Arbeiter:innen machen.

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