Sie hatten belastende Informationen aus E-Mails öffentlich gemacht, die vom linken „RedHack“-Kollektiv veröffentlicht worden waren.

Die sechs türkischen Journalisten Tunca Ögreten, Ömer Celik, Metin Yoksu, Mahir Kanaat, Eray Sargin und Derya Okatan wurden im Zuge der „RedHack-Affäre“ verhaftet. Das marxistisch-leninistisch orientierte Hacker-Kollektiv hatte E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak veröffentlicht. Diese boten Einblick in Ölgeschäfte und Kontakte zu syrischen Terrorgruppen, die der Energieminister aufrecht zu erhalten scheint. Die sechs nun inhaftierten Journalisten hatten – wie Deniz Yücel  – über diese Informationen berichtet.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, „den Inhalt der E-Mails manipuliert“ zu haben. Des Weiteren sind Einige von ihnen angeklagt wegen Mitgliedschaft und Propaganda für Organisationen, die in der Türkei als terroristische Vereinigungen eingestuft werden. Beispielsweise Tunca Ögreten, dem ehemaligen Redakteur der Nachrichtenseite Diken, wird vorgeworfen, Teil der Gülen-Bewegung zu sein. Erdogan macht sie verantwortlich für den Putschversuch im vergangenen Jahr. Er hatte in Folge dessen tausende BeamtInnen und JournalistInnen wegen Verdachts der Zugehörigkeit ihres Amtes enthoben oder inhaftieren lassen.

Die Gerichtsverhandlungen der sechs Angeklagten hatten ihren Auftakt am 24. Oktober – für drei von ihnen nach knapp 10 Monaten Untersuchungshaft. „Für ihren Mut, trotz der Risiken über sensible Themen zu berichten und die Öffentlichkeit zu informieren, verdienen die Journalisten Anerkennung. Dass ihnen stattdessen lange Haftstrafen drohen, ist beschämend“, sagte der Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mirh. „Alle Anschuldigungen müssen fallen gelassen und die drei inhaftierten Journalisten sofort freigelassen werden.“