Die Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei soll vor allem den Profiten dienen.

Deutschland hat ein Problem mit der Türkei. Das Problem liegt nicht etwa in dem stetigen Ausbau der AKP-Diktatur, den Massenverhaftungen der demokratischen Opposition, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverstößen. Das Problem besteht darin, dass all jenes schlecht für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland ist. Das Problem liegt darin, dass man sich nur schwer als weltweit führender Moralapostel und Gegenmodell zu Trump positionieren kann, wenn man mit einem ausgemachten Despoten wie Erdogan gute Wirtschaftsbeziehungen unterhält.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat nun in einem Interview ein Modell für die EU-Türkei Beziehungen vorgeschlagen: „Wenn wir ein kluges Abkommen mit Großbritannien hinbekommen, das die Beziehungen zu Europa nach dem Brexit regelt, könnte das ein Modell für andere Länder sein: die Ukraine und auch die Türkei.“

Ziel ist es also politisch unabhängig voneinander zu bleiben, sich gegenseitig in Ruhe zulassen, oder auch kritisieren zu können, ohne aber auf das Profite machen verzichten zu müssen. Im Politikersprech sind dies alternative Formen der Zusammenarbeit, denn als EU Mitglied eigne sich die Türkei in ihrer heutigen Form nicht.

Im Politiktalk bei Maybrit Illner gestand Gabriel vor wenigen Wochen bereits in einer Diskussion mit dem Komiker Serdar Somuncu, dass Deutschland eben nicht nur Werte, sondern auch Interessen habe. Dieser hatte die Politik Deutschlands gegenüber undemokratischer Regime wie der Türkei oder China kritisiert.

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