Angriff der Polizei auf jüdischen Professor in Bonn

Vergangenen Mittwoch wurde die Polizei in Bonn zu einer Auseinandersetzung gerufen. Ein junger, deutscher Mann mit palästinensischen Wurzeln soll einen jüdischen Professor beleidigt und geschlagen haben. Die eintreffenden Polizeibeamten hielten den Professor für den Täter, schlugen ihn zu Boden, fesselten ihn und schlugen ihm mehrmals ins Gesicht.

Polizei verwechselt Täter und Opfer

Jitzchak Jochanan Melamed, Professor aus Israel, lehrt an der Johns Hopkins University in Baltimore. Er war in Bonn für eine Vorlesung. Als er mit einer Begleiterin durch den Bonner Hofgarten ging, wurde er von einem jungen Palästinenser beleidigt und angegriffen. Die Polizei wurde von Passanten hinzu gerufen. Als die zwei Polizeiwagen ankamen, versuchte der jüngere Mann zu fliehen.

Anstatt den Angreifer zu stellen und zu verhören, griffen die vier Polizeibeamten den 50-jährigen Mann an. Er habe nach eigener Aussage öfter wiederholt, dass er der Falsche sei, aber die Polizisten schlugen Melamed dennoch nieder.

„Sie drückten meinen Kopf zu Boden und dann, während ich völlig außer Gefecht gesetzt war und kaum atmen konnte, begannen sie mir ins Gesicht zu schlagen“, beschrieb Melamed seine Situation. Als die Polizisten ihm die Handschellen abnahmen, soll einer der Beamten gesagt haben: „Don’t get in trouble with the German police!“ („Leg dich nicht mit der deutschen Polizei an!“).

Der jüdische Professor habe daraufhin gesagt, seine Großeltern, sein Onkel und seine Tante seien 1942 durch die deutsche Polizei ermordet worden, er habe keine Angst vor ihnen.

Entschuldigungen und Anschuldigungen

Auf der Polizeiwache versuchten die Beamten, das Opfer zu überzeugen, von einer Anzeige gegen die Polizei abzusehen. Wenn er es doch tue, müsse die Polizei ihn ebenfalls wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt anzeigen. Die Bonner Polizeipräsidentin Brohl-Sowa und NRW-Innenminister Hebert Reul hatten sich am Donnerstagmorgen bei dem Professor für die Verwechslung persönlich entschuldigt. Darauf antwortete Melamed der Polizeipräsidentin: „Menschliche Fehler können passieren, aber die Schläge waren keine Fehler, ich lag bewegungsunfähig am Boden und konnte kaum atmen.” Die Entschuldigung der Polizeipräsidentin bezeichnete er als „klaren und unaufrichtigen politischen Schachzug“.

Am Wochenende dann schrieb Melamed einen Brief, in dem er die Ereignisse des Tages zusammenfasste und aus seiner Sicht schilderte. Darin heißt es unter anderem: „Wenn ich nur ein Underdog der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand dafür interessieren (und sicher würde auch niemand der Beschwerde Glauben schenken)“.

Einer der angreifenden Polizisten wurde mittlerweile zwangsversetzt und die Polizei Bonn hat gegen jeden der beteiligten Beamten ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Laut Staatsanwalt wird gegen den 20-jährigen Palästinenser wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Körperverletzung ermittelt.

Allein im Jahr 2017 gab es 1.453 antisemitische Straftaten. Davon hatten rund 50 einen „religiösen Hintergrund“ und 33 wurden von MigrantInnen ohne muslimische Vorgeschichte begangen. Die anderen 1.377 Angriffe und Volksverhetzungen gingen auf das Konto rechtsradikaler Deutscher.