In 36 Städten fanden am vergangenen Freitag Aktionen gegen die Arbeitsbedingungen und die Billigfleischproduktion von Europas größtem Schweinefleischvermarkter statt.

Nachdem sich die Proteste der Kölner Initiative „Aktion gegen Arbeitsunrecht“ am vergangenen Freitag den 13. gegen die Tarifflucht der Supermarktkette Real oder die prekären Jobs beim Essenslieferanten Deliveroo richteten, war dieses Mal der berüchtigte Fleischproduzent und Schalke 04-Chef Clemens Tönnies an der Reihe.

Mit der Kombination aus von Billigfleisch und Billig-Arbeitskräften macht sein Konzern jährlich einen Umsatz von mehr als 6,5 Milliarden Euro.

In Köln, Berlin und vor den Tönnies Schlachthöfen in Rheda-Widenbrück und Weißenfels fanden am vergangenen Freitag größere Demonstrationen statt. In vielen weiteren Städten wurde mit Informationsständen und Touren durch Supermärkte auf das „System Tönnies“ hingewiesen. An den Aktionen beteiligten sich in vielen Städten GewerkschafterInnen, Menschen- und TierrechtlerInnen und UmweltschutzaktivistInnen.

„Wir freuen uns über die wachsende Zahl selbstorganisierter Proteste zum schwarzen Freitag13! Das unberechenbare Moment bürgerschaftlicher Gegenwehr ist eine starke Waffe“, so Jessica Reisner, Campaignerin bei der Aktion gegen Arbeitsunrecht.

Getroffene Hunde bellen

Bereits im Vorfeld des Aktionstags versuchte Tönnies mit Hilfe der Medienrechtskanzlei Schertz Bergmann, die Kritik am Tönnies-Konzern zu kriminalisieren und zu unterbinden. Wie es ausschaut, scheint der Konzern weder Spaß noch Kritik zu vertragen.

Tatsächlich mussten aus dem Aufruf für den Aktionstag, nach einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin, bestimmte Behauptungen gestrichen werden. Am 19. November wird es in Berlin zu einem ersten Prozesstag über die von Tönnies beanstandeten Stellen im Aufruf kommen.

„Wir finden es gut, dass Tönnies einen Medien-Prozess in Berlin anstrebt. Wie werden die anstehende Verhandlung dafür nutzen, ein Tönnies-Tribunal zu organisieren“, bewertet Elmar Wigand, Pressesprecher der Aktion gegen Arbeitsunrecht, das bevorstehende Verfahren. „Wir wollen das Verfahren zudem nutzen, um eine Bresche für Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt zu schlagen: Die Methode Schertz Bergmann muss von Gewerkschaftern erkannt und ausgehebelt werden. Das Mittel ist verstärkte Gegenöffentlichkeit.“