In den vergangenen Tagen ist mit Betriebskampf.org ein neues Projekt an die Öffentlichkeit getreten, das den Kampf im Betrieb und die Solidarität unter den ArbeiterInnen in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen will. – Wir haben sie zum Interview getroffen.

Wer oder was ist „Betriebskampf“?

Wir sind ein Kollektiv von klassenkämpferischen AktivistInnen aus verschiedenen Betrieben und politischen Organisationen. Wir arbeiten selber in den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft und ebenso zu sehr unterschiedlichen Bedingungen.

Einige von uns sind in großen Unternehmen beschäftigt, haben einen festen Vertrag und werden nach Tarif bezahlt. Andere arbeiten zu niedrigsten Löhnen in kleinen Handwerksbetrieben, befinden sich noch in der Ausbildung oder müssen neben dem Studium jobben oder halten sich mit Honorartätigkeiten über Wasser.

Was uns alle eint, ist dass wir die Ausbeutung auf dem Arbeitsplatz am eigenen Leib erfahren und wissen, wie schwierig es oftmals ist, sich dagegen zu wehren.

Aber gibt es nicht genau dafür die Gewerkschaften?

Ja und nein. Wir sind heute in Deutschland in der Situation, dass gerade in vielen kleineren und mittleren Betrieben quasi keine organisierten oder dauerhaft arbeitenden Strukturen der DGB-Gewerkschaften existieren. Hier hilft es also nur, sich selbst zu organisieren.

Gleichzeitig denken wir, dass ritualisierte Verhandlungsrunden um Tarifverträge nicht alles sind, wofür wir starke und kämpferische Strukturen in unseren Betrieben brauchen. Der Klassenkampf im Betrieb muss immer auch ein Kampf für gesamtgesellschaftliche Veränderung sein.

Wir wollen mehr als minimale Lohnerhöhungen. Wir wollen die Selbstorganisierung von uns ArbeiterInnen im Betrieb praktisch organisieren. Nur so können wir perspektivisch die Überwindung der kapitalistischen Lohnarbeit erkämpfen. Ob wir dafür zunächst auch in der Gewerkschaft arbeiten oder uns im Betrieb direkt mit unseren KollegInnen zusammenschließen, muss die konkrete Situation vor Ort zeigen.

Ihr selbst beschreibt euch als Netzwerk für Solidarität und Widerstand im Betrieb. Was wollt ihr mit eurem neuen Projekt erreichen?

Wir haben große Ziele, werden zunächst aber klein anfangen. Mit unserer Webseite www.betriebskampf.org wollen wir einen Beitrag zur Vernetzung und Organisierung von Betriebskämpfen leisten. Wir wollen Kontakte und Solidarität zwischen KollegInnen über betriebliche, juristische und geographische Grenzen hinweg schaffen.

Wir wollen eine Plattform bieten, um Informationen über die Entwicklung von kleineren und größeren Arbeitskämpfen und Streiks publik zu machen und aufzuzeigen, dass selbst in Deutschland eine ganze Menge an Widerstand in den Betrieben geleistet wird.

Wir wollen gleichzeitig ein Forum bieten, in dem sich KollegInnen verschiedener Branchen und Unternehmen über ihre Erfahrungen im Betriebskampf oder die Bedingungen im Betrieb austauschen und gegenseitig unterstützen können.

Wie kann man euer Kollektiv unterstützen oder selbst aktiv werden?

Zunächst einmal ist natürlich klar, dass die konkrete Organisierung mit den KollegInnen im Betrieb selber stattfinden muss. Um die in großen Teilen vorherrschende Vereinzelung in der ArbeiterInnenbewegung in Deutschland jedoch zumindest ein bisschen aufzubrechen, sammeln und veröffentlichen wir Berichte über betriebliche Klassenkämpfe. Schickt uns gerne auch eigene Berichte von den Kämpfen in euren Betrieben zu.

Perspektivisch wollen wir in möglichst vielen Städten auch Komitees für klassenkämpferische Betriebsarbeit aufbauen und so unseren Teil dazu beitragen, eine schlagkräftige ArbeiterInnenbewegung in Deutschland wieder aufzubauen und erfolgreiche Klassenkämpfe auf lokaler und bundesweiter Ebene zu führen.


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