Nach ersten gemeinsamen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) waren Arbeitsbedingte Krankheiten und Verletzungen im Jahr 2016 für den Tod von 1,9 Millionen Menschen verantwortlich. In Deutschland starben täglich 66 Menschen an schlechten Arbeitsbedingungen.

Das geht aus dem Global Monitoring Report hervor, welche die beiden Organisationen am Freitag veröffentlichten. Demnach waren die meisten arbeitsbedingten Todesfälle auf Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen: 81 Prozent der Todesfälle waren dabei nicht-übertragbare Krankheiten. Die häufigsten Todesursachen waren chronische Lungenerkrankungen (450.000 Todesfälle); Schlaganfälle (400.000 Todesfälle) und Herzkrankheit (350.000 Todesfälle). Arbeitsunfälle verursachten 19 Prozent der Todesfälle (360.000 Tote).

Die Studie berücksichtigt 19 berufliche Risikofaktoren, einschließlich langer Arbeitszeiten und dauerhaftem Kontakt mit Luftverschmutzung, Asthmaerregern, Karzinogenen und Lärm.

Der Bericht stellte jedoch fest, dass die gesamte arbeitsbedingte Krankheitslast jedoch wahrscheinlich wesentlich höher sei, da der Gesundheitsverlust aufgrund mehrerer anderer beruflicher Risikofaktoren in Zukunft noch abgebildet werden müsse. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie der Arbeitsbelastung einen weiteren Faktor hinzufügen, die in zukünftigen Schätzungen berücksichtigt werden muss.

Tod durch Überarbeitung

Das Hauptrisiko waren dem Bericht nach zu lange Arbeitszeiten – verbunden mit etwa 750.000 Todesfällen. Dauerhaft massiver Luftverschmutzung in Form von Partikeln, Gasen und Dämpfen am Arbeitsplatz ausgesetzt zu sein, war für 450.000 Todesfälle verantwortlich. Überproportional viele arbeitsbedingte Todesfälle ereignen sich bei Arbeiter:innen in Südostasien und im Westpazifik sowie bei Männern und Personen über 54 Jahren. Doch auch in Deutschland starben nach dem Bericht im Jahr 2016 24.294 Menschen also rund 66 Personen pro Tag.

„Es ist schockierend zu sehen, dass so viele Menschen buchstäblich durch ihre Arbeit getötet werden“, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Unser Bericht ist ein Weckruf an Länder und Unternehmen, die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter zu verbessern und zu schützen, indem sie ihrer Verpflichtung nachkommen, eine universelle Abdeckung von Gesundheits- und Sicherheitsdiensten am Arbeitsplatz bereitzustellen.“

2 Millionen Todesfälle vermeidbar

Weltweit gingen die arbeitsbedingten Todesfälle pro Bevölkerung zwischen 2000 und 2016 um 14 Prozent zurück. Dies könnte dem Bericht zufolge Verbesserungen der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz widerspiegeln. Allerdings stiegen die Todesfälle durch Herzkrankheiten und Schlaganfälle im Zusammenhang mit langen Arbeitszeiten um 41 bzw. 19 Prozent.

Jeder Risikofaktor hat eine einzigartige Reihe von Präventivmaßnahmen, die in der Studie als Leitfaden für Regierungen zur Absprache mit Unternehmen und Arbeiter:innen beschrieben werden. So erfordert beispielsweise die Vermeidung von langen Arbeitszeiten die Vereinbarung gesunder Arbeitszeithöchstgrenzen. Um die Exposition gegenüber Luftverschmutzung am Arbeitsplatz zu reduzieren, werden Staubkontrolle, Belüftung und persönliche Schutzausrüstung empfohlen.

„Diese fast 2 Millionen vorzeitigen Todesfälle sind vermeidbar. Auf der Grundlage der verfügbaren Forschungsergebnisse müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die sich entwickelnden arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu bekämpfen“, sagte Dr. Maria Neira, Direktorin der Abteilung für Umwelt, Klimawandel und Gesundheit der WHO.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.