Im Landkreis Dachau kam es in den letzten Monaten und Jahren immer wieder zu Aktivitäten rechter Menschen und Gruppierungen. Das reichte von Stickern über Plakate oder „Hitler“-Grüße bis hin zu Briefen an Mitarbeiter:innen einer Gedenkstätte, in denen der Holocaust geleugnet wird. Die Kommunalpolitik hüllt sich währenddessen in Schweigen.

In Dachau häuft sich antisemitischer und faschistischer Vandalismus, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Vor einem Monat wurde in Dachau der „Weg des Erinnerns“ in Markt Indersdorf eröffnet. Der Weg erinnert an die Kleinkinder osteuropäischer Zwangsarbeiter:innen, die im letzten Kriegsjahr ihren Müttern weggenommen wurden, 35 starben dort in einer Baracke.

Nun wurde eine Gedenktafel, die zu dem Weg gehört, von einer unbekannten Person mit den Worten „Israel“ und „Holocaust“ beschmiert, die im Anschluss mit einem blauen Stift durchgestrichen wurden, so teilte die Polizei Dachau am Dienstag mit.

Dieser Fall ist nur einer von vielen, die sich in den letzten Monaten und Jahren in Dachau ereigneten. Die Kommunalpolitiker:innen der Stadt äußerten sich bisher gar nicht zur Thematik, auch in anderen ähnlichen Fällen wartete man vergebens auf eine Reaktion.

Fabian Handfest ist Mitglied des selbstverwalteten Jugendzentrums „Freiraum“ in Dachau; er dokumentiert und beseitigt auch rechtsgerichtete Graffiti und Sticker am „Weg des Erinnerns“ in der Stadt Dachau oder an der Bushaltestelle der KZ-Gedenkstätte. Er kommt zu der Einschätzung, dass die rechten Aktivitäten in Dachau nicht erst in den letzten Monaten, sondern bereits seit einigen Jahren zunehmen.

Diese lassen sich in vielen Fällen zurückführen auf rechte Parteien oder Organisationen wie die Bürgerinitiative „Ein Prozent“ oder die Identitäre Bewegung. Dass die Taten von Einzeltätern begangen wurden, kann er sich kaum vorstellen.

Ähnliche Vorfälle wie die Beschmutzung des Denkmals ereignen sich immer wieder. Nachdem am Sonntag zwei finnische Touristen auf dem Gedenkstättengelände den „Hitler“-Gruß zeigten und sich von einem Dritten dabei fotografieren ließen, meldete sich die die Historikerin Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, in einer Pressemitteilung zu Wort:

„Ausreden oder Verharmlosungen sind bei Störungen wie diesen nicht zuzulassen. Leider findet dies jedoch in der öffentlichen Beurteilung immer wieder statt, wogegen wir uns als KZ-Gedenkstätte ganz entschieden stellen. … Wir sind schockiert über die Respektlosigkeit der Handelnden vor dem Ort, seiner Geschichte und seinen Opfern.“

Auch an der Gedenkstätte „SS-Schießplatz Hebertshausen“ wurde ein Hakenkreuz-Graffiti entdeckt. Die mutmaßliche Täterin ist eine 24-jährige Dachauerin. Sie soll unter anderem für sechs weitere Graffitis auf Gullydeckeln, Stromverteilerkästen usw. verantwortlich sein. Die Polizei teilte mit, dass die junge Frau diese Taten bereits teilweise gestanden habe.

Zu all diesen Taten kommt noch hinzu, dass ein Unbekannter seit November 2020 Briefe mit antisemitischen Inhalten an Adressaten in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck schickt. Unter anderem an fünf Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte und vor der Bundestagswahl dann vor allem an Burschenschaften in den Gemeinden Sulzemoos und Odelzhausen. In diesen Briefen wird der Holocaust geleugnet. Eine Reaktion von Dachauer Politiker:innen bleibt bislang aus.

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