Wieder faschistische „Einzelfälle“ in der Bundeswehr: gegen mehrere Mitglieder der Vorzeige-Truppe „Wachbataillon“ wird ermittelt. Sie sollen die rechte Gruppe „Wolfsrudel“ gebildet haben. Laut Soldat:innen gingen von der Gruppe auch Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus, es gebe zudem „abartige Trink- und Aufnahmerituale“.

Das „Wachbataillon“ steht öfter im Rampenlicht – zum Beispiel wenn der 1.000 Personen starke Teil der Bundeswehr beim Empfang von Staatsgästen stramm am Rande des roten Teppichs steht. Doch das Bataillon ist nicht nur fürs Aussehen, sondern auch die Sicherung von Dienstsitzen der Bundesregierung zuständig.

Das Wachbataillon ist der einzige Verband mit einer offiziellen Tradition aus der Zeit vor Errichtung der Bundeswehr im Jahr 1955: Seine Tradition führt von 1675 mit dem 1. Garde-Regiment zu Fuß der preußischen Armee über das 9. (Preuß.) Infanterie-Regiment der Reichswehr und später der Wehrmacht zurück. Diesem militaristischen und faschistischen Erbe scheint ein Teil des Wachbataillons nun alle Ehre zu machen.

Wie der Spiegel berichtet, soll es Ermittlungen gegen eine Gruppe von mindestens sechs Soldaten der 2. Kompanie geben, die sich selbst offen als „Wolfsrudel“ bezeichnen. Auch zwei Feldwebel aus dem Bataillon sollen mit der Gruppe verbandelt sein, heißt es in einem vertraulichen Vermerk.

  • Ein Zeuge bezeichnete die Gruppe als „völkisch oder national“, einige könnten aber „durchaus als rechtsradikal angesehen werden“. So zum Beispiel der mutmaßliche Anführer, ein 32-jähriger Oberstabsgefreiter: er soll ein T-Shirt mit einer schwarzen Sonne und der Aufschrift „Sonnenstudio 88“ getragen haben. Auf der Rückseite prangte laut der Aussage der Schriftzug „Wir sind braun“.
  • Hinzu kämen Aufnahme-Rituale wie das „Anurinieren unter der Dusche“, „Faustschläge gegen die Leber“ oder „Anzünden von Körperteilen mit Feuerzeug und Zigarette“. Zudem hätten die Soldaten einem schlafenden Kameraden ihre Genitalien ins Gesicht gehalten.

„Auch der Militärgeheimdienst MAD wurde mittlerweile eingeschaltet“, heißt es im Spiegel. Dabei ist diese Organisation offiziell eigentlich für nichts anderes zuständig als eben solche Gruppen aufzuspüren. Im konkreten Fall haben jedoch Soldatinnen intern Meldung gemacht – dies auch, weil die Gruppe offenbar recht offen auftrat.

Erst nach den Medienberichten hat das Verteidigungsministerium die Soldaten ,gegen die ermittelt wird, „aus dem protokollarischen Dienst“ genommen.

Seit Jahren werden teilweise wöchentlich neue faschistische „Einzelfälle“ in der Bundeswehr bekannt. Durchgegriffen wird selten. So ist die von Faschisten durchsetze Spezialeinheit der Bundeswehr KSK noch immer im Einsatz.

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