Im Juni stieg die offizielle Inflationsrate in der Türkei gegenüber dem Vorjahresmonat auf 78,62%. Das ist die höchste Rate seit September 1998. Damals lag die Inflationsrate bei 80,4%. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Ähnlich wie in Deutschland sind in der Türkei besonders der Transport und Lebensmittel von den Preisexplosionen betroffen. Transportkosten erhöhten sich im Juni um 123,37% und die Preise für Lebensmittel um 93,93%.

Auch die türkische Währung Lira führt zu weiteren Verteuerungen. Durch die seit Jahren anhaltenden ökonomischen Schwierigkeiten der türkischen Wirtschaft und die rasende Inflation nimmt der Wert der Lira gegenüber anderen Währungen immer weiter ab, die Importe aus dem Ausland werden dadurch dramatisch teurer. Aktuell entspricht eine Lira ungefähr 0,057 Euro. In den vergangenen fünf Jahren ist der Umtauschwert von Lira zu Euro um rund 350% gesunken, in den vergangenen 10 Jahren sogar um 750%.

Politiker:innen und Ökonom:innen streiten um den Umgang mit der Inflation

Die Ökonom:innen im Land sind der Meinung, dass die Politik nicht entschlossen genug gegen die Inflation vorgeht. Sie fordern eine drastische Erhöhung der Zinsen, während Staatspräsident Erdogan behauptet, dass hohe Zinsen noch mehr Inflation verursachen würden.

Auch gibt es Differenzen, ob die Zahlen zu den Preissteigerungen überhaupt stimmen, es wird von einer viel höheren Rate ausgegangen. Die Inflations-Forschungsgruppe Enag, die in Istanbul ansässig ist, nennt einer Teuerungsrate von 175,55 Prozent.

Widerstand gegen die Preisexplosionen

Die Bevölkerung in der Türkei wehrt sich bereits seit Monaten gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen. Immer wieder kommt es zu Streikwellen, und Arbeiter:innen organisieren mit revolutionären Gewerkschaften spontanen Widerstand gegen die Preisexplosionen und für eine Angleichung der Löhne.

Im Februar lösten zum Beispiel Kurierfahrer:innen von HepsiJet, Scotty, Aras Kargo, Sürat Kargo, Yurtici Kargo und Yemeksepeti Banabi eine breite Streikwelle aus, die kaum zu beziffern war.

Infolgedessen bilden sich in vielen Betrieben und Orten neue gewerkschaftliche Organisierungen, die von den Arbeiter:innen selbst initiiert werden und nicht von konzernkonformen Stellvertreter:innen.


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