Aktuell fahren mehrere Dutzend mit verflüssigtem Erdgas (LNG) geladene Schiffe im Bummeltempo vor der europäischen Küste hin und her. Die Händler:innen warten auf einen erneuten Anstieg der Gaspreise.

Wie verschiedene Medien berichten, befinden sich gerade mehr als 30 LNG-Schiffe in einer Schneckentempo-Fahrt vor der europäischen Küste. Das verflüssigte Erdgas kommt zumeist aus den USA, Katar oder Australien und soll aufgrund der Verschärfung des Konflikts mit Russland unter anderem in Deutschland dessen Gaslieferungen ersetzen. An mehreren Orten in der Bundesrepublik sollen deshalb in der kommenden Zeit LNG-Terminals errichtet werden.

Grund für die aktuelle Langsamfahrt ist dabei nicht etwa, dass es an den europäischen Häfen vor lauter LNG-Schiffen keine Anlegemöglichkeit mehr geben würde. Vielmehr waren beispielsweise die Preise für kurzfristige Gaskäufe angesichts der vollen Gasspeicher und des bisher milden Herbstes in den vergangenen Wochen gefallen.

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Laut der Firma Vortexa aus London würden die Schiffe deshalb auf Anweisung der Gashändler:innen vor der Küste Europas ausharren, um höhere Gaspreise im Winter abzuwarten. Damit würden die Händler:innen noch einmal höhere Extragewinne einfahren, als das gerade sowieso schon der Fall ist.

Mit dem aktuell zurückgehaltenen Gas könnten rund 2,7 Millionen Haushalte für ein Jahr lang mit Energie versorgt werden, wie das Handelsblatt berichtet. Aktuell würde dieses Gas für rund 3,4 Milliarden Dollar verkauft werden.

Doch nicht nur die Gashändler:innen machen hier wieder als Krisengewinnler:innen von sich reden. Durch die künstliche Verknappung von LNG-Schiffen – immerhin gibt es davon nur 693 – nutzen auch die Reedereien die Situation aus, um die Preise zu steigern und größere Gewinne einzufahren. Bei Transporten nach Asien steigen die Frachtraten derzeit allerdings so stark, dass viele Gashändler:innen von Verkäufen absehen.


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