Virologe Christian Drosten spricht von einem Ende der Pandemie. Zurück bleiben zahlreiche Tote. Im Gesundheitssystem hat sich hingegen nichts grundlegend geändert. Ein Kommentar von Enver Liria

Seit März 2020 gelten in Deutschland besondere Regelungen zur Bekämpfung des Covid-19 Virus. Damals beschloss die Regierung ein „umfassendes Kontaktverbot“, welelchess das Leben der Menschen enorm eingeschränkt hat und in Teilen auch heute noch einschränkt. Nun erklärt der Chefvirologe der Berliner Charité Christian Drosten: „Nach meiner Einschätzung ist die Pandemie vorbei“.

Grund dafür sei die hohe Immunität der Bevölkerung. Viele Millionen Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht oder sind geimpft. Dadurch würde sich das Virus im Sommer kaum noch verbreiten können.

Mittlerweile beläuft sich die Zahl der Coronatoten in Deutschland auf etwa 161.000 Menschen. Täglich kommen noch immer etwa 125 Tote dazu. Seit dem Sommer diesen Jahres pendelt die Zahl der täglichen Coronatoten etwa um diesen Wert, es sterben also weiter nicht wenige Menschen an der Krankheit. Allerdings ist nicht von einer Überlastung oder gar einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems aufgrund von Corona auszugehen.

Trotz des Optimismus nennt Drosten doch noch eine Einschränkung: Eine neue Mutation könnte die Karten neu mischen und die Situation wieder verschärfen. Das sei aber nicht sehr wahrscheinlich.

Erst kürzlich wurde berichtet, dass in China die Corona-Infektionen auf ein Rekordhoch angestiegen sind. Grund war die Kehrtwende der chinesischen Regierung, die bisher eine „Null-Covid-Strategie“ verfolgt hatte. Während bisher rigoros gegen das Virus vorgegangen worden war, wurden die Regeln nun gelockert. Schätzungen gehen von tausenden Toten am Tag aus, dazu erhöht eine Durchseuchung die Wahrscheinlichkeit für eine Mutation.

Beschäftigte in Krankenhäusern warnten früh vor Maskenmangel – die Bundesregierung ignorierte sie

Pandemie geht, Probleme bleiben

Auch wenn nun die Pandemie für beendet erklärt wird, so bleiben viele der Probleme, die durch sie aufgedeckt worden sind. Dass die immer weitergehende Kürzung von Leistungen im Gesundheitssektor die Gesundheit der Bevölkerung bedroht, wurde klar vor Augen geführt.

Zu Beginn der Pandemie zeigte sich das in dem flächendeckenden Mangel an Schutzausrüstung, speziell an Masken. Gewiefte Politiker verdienten sich eine goldene Nase, während viele Menschen Probleme hatten, an die Masken zu kommen. Darüber hinaus fehlte es an Pflegerinnen und Pflegern, an medizinischem Personal.

Die vorhandenen Kräfte mussten dann die volle Last der Krise tragen. Überstunden waren für viele an der Tagesordnung und teilweise mussten Pfleger:innen zur Arbeit erscheinen, wenn sie selbst an Corona erkrankt waren.

Die Pandemie hinterlässt auch ein Deutschland mit wesentlich schwächeren Freiheitsrechten. Eine flächendeckende Impfpflicht wurde gerade noch abgewendet, trotzdem erlebten wir die größten Eingriffe in die demokratischen Grundrechte seit Jahrzehnten. Seien es Ausgangssperren, Kontaktverbote oder Demonstrationsverbote.
Wenn wir davon ausgehen, dass dieses System und der Staat im Sinne aller Menschen handeln solle, dann erlebten wir das größte Systemversagen seit jeher.

So ist es aber nicht. Das System kam ins Straucheln, fand dann aber recht schnell seinen Kurs: Die Absicherung der Monopolprofite der Konzerne. Für diese funktionierte das System blendend, für unsere Gesundheit allerdings nicht. Damit ist auch klar, was wir bei der nächsten Pandemie oder der nächsten Krise des Gesundheitssystems zu erwarten haben. Der Staat wird die Profite absichern, während die Arbeiterinnen und Arbeiter und die kleinen Gewerbetreibenden dafür zahlen.

Mit großen Schritten geht die Verarmung der Bevölkerung voran, die Kürzungen im Gesundheitswesen, die Auspressung auch des letzten Tropfens, der noch aus den „guten alten Zeiten“ geblieben ist. Damit muss auch jede Illusion in dieses System schwinden. Es bleibt die Überzeugung, dass nur ein System, dass von den Arbeiterinnen und Arbeitern erbaut und geführt wird, uns und unsere Gesundheit schützen können wird.


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