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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Unternehmensinsolvenz steigt weiter – Ökonomen fordern langfristigen Umbau der Wirtschaft

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    Die Zahl der Insolvenzen stieg im Juli um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutlich mehr als die Anzahl der zahlungsunfähigen Unternehmen stieg aber der Umfang der Forderungen durch die Gläubiger – nämlich um ganze 82 Prozent. Bürgerliche Ökonomen lehnen unterdessen Konjunkturprogramme ab und fordern einen langfristigen Umbau der Wirtschaft.

    Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sind im Juli auf einem neuen Hoch angekommen. Das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor sind am stärksten betroffen.

    Die vorläufigen Zahlen für Juni und Juli zeigen eine große Zunahme im Vergleich zum Vorjahr. Im Juni lag der Anstieg der Insolvenzmeldungen noch bei 14% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Juli waren es bereits 23,8%. Außerdem wurden endgültige Zahlen für den Monat Mai veröffentlicht. 1.478 Unternehmen meldeten damals Insolvenz an, was eine Zunahme um 19% im Vergleich zu 2022 darstellt.

    Im letzten Herbst lag die Prognose für die Zunahme an Insolvenzanmeldungen für das Jahr 2022 noch bei 17%. Im April sagte die „Allianz Trade“ schon 22% für das laufende Jahr voraus.

    Firmenpleiten nehmen weiter zu

    Umfang der Insolvenzforderungen steigt um 82% gegenüber dem Vorjahr

    Unternehmen sind dann insolvent, wenn sie ihre Zahlungsverpflichtungen bzw. Schulden gegenüber allen ihren Gläubigern, also denjenigen, denen sie Geld schulden, nicht mehr begleichen können. Eine Insolvenz kann auch eintreten, wenn absehbar ist, dass die Schulden in Zukunft nicht mehr gezahlt werden können. In den Insolvenzverfahren wird das übrige Kapital u.a. in Form von Geldanlagen, Maschinen oder Immobilien unter den Gläubigern aufgeteilt.

    Neben der Anzahl der Unternehmen, die ihre Insolvenz anmeldeten, stieg vor allem der Umfang der Forderungen der Gläubiger an die insolventen Unternehmen. Im Mai 2022 lag er insgesamt bei 2,2 Mrd Euro. Dieses Jahr stieg der Umfang auf 4 Mrd Euro. Das bedeutet einen Anstieg um ganze 82%.

    Die durchschnittliche Forderung pro Unternehmen belief sich also auf etwa 2,7 Mio Euro, während es im Jahr zuvor noch knapp 1,8 Mio Euro waren. Diese Entwicklung zeigt vor allem, dass die Wirtschaftskrise nach und nach auch größere Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit treibt.

    Bürgerliche Ökonom:innen fordern Investitionen in Forschung für langfristige Stärkung der Wirtschaft

    Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurden in der Vergangenheit immer wieder sogenannte “Konjunkturpakete” genutzt. Bekannte Maßnahmen, die solche Pakete beinhalten, waren beispielsweise der “Tankrabatt” im Jahr 2022 oder die “Abwrackprämie” im Zuge der Wirtschaftskrise 2008/09. Mit diesen Subventionen konnten die Profite der betroffenen Konzerne in der Krisenzeit gesichert werden.

    Eine ähnliche Funktion hat auch der „Klima- und Transformationsfonds“ der Bundesregierung. Mit ihm soll der Umbau der Wirtschaft auf erneuerbare Energien sowie die Entflechtung der internationalen Produktionsketten vorangetrieben werden. Finanziert wird der Fonds durch die Steuern der arbeitenden Bevölkerung. Ganz direkt zu spüren bekommt man dies unter anderem durch die Erhöhung der CO2-Steuer, durch die vor allem für private Verbraucher:innen die Heiz- und Tankkosten überproportional steigen werden.

    Preis für CO2 steigt – Tanken und Heizen wird teurer

    Einige bürgerliche Ökonom:innen sehen diese Subventionen allerdings kritisch, da sie die Inflation weiter anheizen und somit das Gegenteil der Zinspolitik der EZB bewirken würden. Außerdem seien Investitionen in Chip-Fabriken kein Ausdruck von Stärke der deutschen Wirtschaft. Sie plädieren stattdessen für Investitionen in eine „bessere finanzielle Ausstattung der Hochschulen“, um Deutschland langfristig als „Innovationsstandort“ zu stärken.

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