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Freitag, Juli 19, 2024
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    Mord an Gastarbeiter Nourtani in der Türkei: mutmaßliche Vertuschung einer illegalen Kohlemine

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    In den vergangenen Tagen berichteten mehrere türkische Medien von dem Mord an dem 50-jährigen afghanischen Arbeiter Vezir Mohammed Nourtani nach dessen Arbeitsunfall. Nourtanis verbrannter, lebloser Körper wurde in einem Waldgebiet nahe einer illegalen Mine in der Provinz Zonguldak im Norden der Türkei gefunden.

    Nach Informationen, welche gazeteDuvaR vorliegen, räumten sechs Tatverdächtige in ihren Aussagen gegenüber der Polizei ein, den nach einem Unfall bereits bewusstlosen Bergarbeiter Nourtani weiter zu Tode geprügelt und anschließend verbrannt zu haben. Dies soll auf Drängen des Minenbesitzers geschehen sein, um die Entdeckung der illegalen Mine zu verhindern. Als Besitzer der illegalen Mine wurde mutmaßlich der Stadtvorsitzende der rechtsextremen “MHP”-Partei (zu deutsch: Partei der nationalistischen Bewegung) der nahegelegenen Stadt Gelik identifiziert.

    Zweck und Nutzen dieser illegalen Steinbrüche

    Illegale Steinbrüche in der Türkei sind Steinbrüche oder Bergwerke, in denen meistens Kohle ohne ausgestellte Lizenz der dafür zuständigen Behörden abgebaut wird. Allerdings sind dies keine Einzelfälle, sondern tauchen regelmäßig auf. Dabei gibt es immer wieder Verstrickungen mit Behörden, Parteien oder der Polizei. In den illegalen Minen würden hauptsächlich migrantische Wanderarbeiter:innen unter oft nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen arbeiten, was die Häufigkeit von schweren Unfällen steigen lässt.

    Die Arbeit in den staatlichen Bergwerken ist allerdings keineswegs sicherer, auch hier kommt es immer wieder zu tödlichen Minenunglücken. Laut der Recherche des unabhängigen Medienportals sendika wird die in den illegalen Bergwerken abgebaute Kohle anschließend mit offiziellen Bergwerken vermischt, um sie leichter verkaufen zu können. Arbeitsunfälle häufen sich dabei beispielsweise auch in deutschen Werken und Baustellen.

    Unfälle auf einer Großbaustelle in Hamburg: Betriebstote sind einkalkuliert

    Proteste: „Das System zur Rechenschaft ziehen“

    Vergangenen Samstag protestierte die “Göçmen Sendikası Girişimi” (zu deutsch: Initiative zur gemeinsamen Organisierung mit Migrant:innen gegen Unterdrückung) in Ankara mit verschiedenen Gewerkschaften, politischen Parteien und Vertreter:innen demokratischer Organisationen. Die Botschaft der Kundgebung war dabei klar: „Wir werden das Ausbeutungssystem zur Verantwortung ziehen, dass den Bergarbeiter Nourtani ermordet hat!”

    Nourtani sei nur einer von tausenden Wanderarbeiter:innen, die in illegalen Bergstollen arbeiteten. Die in diesen Minen begangen Verbrechen und Morde würden grausam vertuscht werden, während die Bosse ungestraft geschützt würden. Außerdem sei der Mord kein Einzellfall: im Jahr 2023 kamen bereits 1.634 Arbeiter:innen in der Türkei während ihrer Arbeit ums Leben. Dagegen helfe nur gemeinsame Organisierung, denn das „Leben der Einwanderer ist wertvoller als die Minen der Bosse.”

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