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Sonntag, März 3, 2024
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    Tech-Industrie: Nächste Entlassungswelle soll 29.000 Jobs kosten

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    Microsoft, Paypal, SAP und Co.: Zahlreiche Unternehmen der Tech-Industrie haben einen massiven Stellenabbau angekündigt. Damit setzt sich der Trend aus dem vergangenen Jahr fort. Die Branche hatte während der Corona-Pandemie noch in großem Stil neue Leute eingestellt – jetzt posten einige Gekündigte Videos von ihren Entlassungen bei TikTok.

    Neues Jahr, neue Entlassungswelle: Die Unternehmen der Technologie-Branche streichen wieder zehntausende Stellen. Wie das Internetportal Layoffs.fyi berechnete, wollen allein im US-Tech-Sektor 85 Unternehmen 29.000 Jobs abbauen.

    Dies betrifft zahlreiche bekannte Größen der Branche wie Microsoft, Paypal, Google oder Salesforce. Nach der Übernahme der Gaming-Firma Activision Blizzard etwa gab Microsoft bekannt, 1.900 Stellen in der Sparte zu streichen. Stattdessen wolle das Unternehmen gezielt in Künstliche Intelligenz (KI) investieren. Paypal will mit 2.500 Beschäftigten rund jede:n Zehnte:n auf die Straße setzen. Der Business-Software-Anbieter Salesforce hat im Januar rund 700 Mitarbeiter:innen und damit bereits 1% der Belegschaft entlassen. Google wiederum hat weitere Stellenstreichungen angekündigt, ohne genaue Zahlen zu nennen.

    Besonders viele Stellen plant das deutsche Softwareunternehmen SAP abzubauen. Hier sind 8.000 Jobs von den geplanten Streichungen betroffen, auch wenn etwa ein Drittel der betroffenen Beschäftigten intern auf andere Positionen wechseln soll. Die größte europäische Softwarefirma plant ebenfalls, verstärkt in den Bereich KI zu investieren.

    Überkapazitäten nach der Corona-Pandemie

    Eine erste große Entlassungswelle in der Tech-Industrie hatte es bereits im Januar des vergangenen Jahres gegeben. Damals hatten Microsoft, Google, Zoom und andere Firmen sogar rund 90.000 Jobs gestrichen. Der Hintergrund war, dass die Branche während der Corona-Pandemie im großen Stil neue Mitarbeiter:innen eingestellt hatte, um die explosionsartig gewachsene Nachfrage nach Videokonferenzen, Streaming und Videospielen abzudecken.

    Nach dem Ende der Pandemie und der Rückkehr vieler Beschäftigter in ihren normalen Arbeitsalltag hatte die Tech-Branche dadurch Überkapazitäten aufgebaut — und begann zu entlassen. Die Überproduktionskrise nutzen die Unternehmen nun, um ihre Position bei KI-Technologien zu stärken und damit konkurrenzfähig zu bleiben. Etliche Startups der Branche werden die Krise aber voraussichtlich nicht überleben: Wie das Handelsblatt berichtet, kämpfen gerade KI-Startups mit den hohen Kosten, die ihnen z.B. aus der Entwicklung großer Sprachmodelle entstanden sind, und sind dringend auf Käufersuche. Im vergangenen Jahr hatte der gestiegene Geldbedarf der Tech-Startups bereits zum Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und einem Beben in der Banken-Branche geführt — erst das Eingreifen der US-Regierung konnte die Lage stabilisieren.

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    Videos von Entlassungsgesprächen in sozialen Medien

    Neben akuten Geldsorgen treibt die Vorstände mancher Tech-Firmen aber auch ein neuer Social-Media-Trend um: Zahlreiche entlassene Beschäftigte teilten nämlich Videos von ihren Entlassungen auf sozialen Netzwerken wie TikTok. Viral ging z.B. ein neunminütiges Video von Brittany Pietsch. Darin ist zu sehen, wie zwei Vertreter:innen ihres bisherigen Arbeitgebers Cloudflare ihr mitteilen, dass sie ihren Job verliert. Cloudflare-Chef Matthew Prince sah sich später zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt — auch weil Pietschs direkter Vorgesetzter nicht an dem Gespräch teilgenommen hatte und ihr die Entlassung stattdessen von Unbekannten übermittelt wurde. Wieder eingestellt wurde Pietsch trotzdem nicht. Das Video fand jedoch zahlreiche Nachahmer:innen.

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