Einer Recherche des BR zufolge speichert der Lieferservice „Lieferando“ die Daten seiner Beschäftigten teilweise jahrelang: Schichtbeginn, Schichtende und der Ablauf der einzelnen Lieferungen werden sekundengenau erfasst.

Der Bayerische Rundfunk hat mehrere Auskunftsersuchen gemäß der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) von Beschäftigten an ihren Arbeitgeber Lieferando ausgewertet. Herausgekommen ist dabei, dass die von den Fahrer:innen genutzte App pro Lieferung 39 Datenpunkte erhebt.

Ob die Fahrer:innen also z.B. – wie von Lieferando erwartet – auf die Sekunde genau oder 30 Sekunden zu spät beim Restaurant oder den Kund:innen ankommen, wird genau erfasst und dann teils über Jahre gespeichert.

Konkret überträgt die App alle 15 bis 20 Sekunden den genauen Standort des:der Fahrer:in und erlaubt damit eine fast vollständige Überwachung. Lieferando selbst jedoch betont gegenüber dem BR, dass die Daten „nicht für unerlaubte Leistungs- oder Verhaltenskontrolle genutzt“ würden.

Der Betriebsratsvorsitzende bei Lieferando, Semih Yalcin, dagegen spricht von „totaler Überwachung“ und hält diese für „unverhältnismäßig“. Er hatte schon im April öffentlich hinterfragt, ob Updates der Betriebsapp „Scoober“ der Kontrolle dienen könnten.


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