Der zweite Versuch, einen Mega-Wohnungskonzern in Deutschland zu schaffen, ist gescheitert. So soll es Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen „Vonovia SE“ verpasst haben, genügend Stimmen von Aktionär:innen der „Deutsche Wohnen SE“ zu bekommen. Anteil daran haben wohl auch spekulierende Hedgefonds. Die Kampagne „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ reagiert mit Ironie.

Der deutsche Immobilienkonzern Vonovia besitzt rund 400.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich, beim Unternehmen Deutsche Wohnen sind es rund 155.000 Wohnungen – ein Großteil davon in Berlin. Bei einem geplanten Zusammenschluss der beiden Unternehmen wäre ein Mega-Wohnkonzern mit Immobilien im Wert von über 90 Milliarden Euro entstanden. Doch daraus wird wohl nichts.

Wie Medien übereinstimmend berichten, hat es Vonovia nicht geschafft, die notwendige Mehrheit der Deutsche Wohnen-Aktionär:innen auf seine Seite zu bringen. Rund 18 Milliarden Euro bzw. 52 Euro je Aktie hatte Vonovia den Aktionär:innen des Rivalen geboten. Doch die Mindestannahmequote von über 50% wurde nach Stand von Freitagnachmittag nicht erreicht. Am Montag wird das offizielle Ergebnis vorgestellt.

Wohnungskonzern Vonovia macht im letzten Jahr rund 1.200.000.000 Euro Profit

Zweites Mal gescheitert

Bereits vor fünf Jahren hatte Vonovia eine Übernahme der Deutsche Wohnen versucht – damals jedoch gegen deren Vorstand. Diesmal hatte sich jedoch der Deutsche Wohnen-Chef Michael Zahn explizit für eine Fusion ausgesprochen.

Hintergrund dessen dürften auch politische Überlegungen gewesen sein. Denn die Deutsche Wohnen steht derzeit in einer überregional bekannten Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“ in der Kritik. Eine Abgabe des mittlerweile „verbrannten“ Namens wäre der Führung also nicht ungelegen gekommen. Auch eine Grunderwerbssteuer wäre nicht fällig geworden. Hauptgrund dürfte jedoch die noch größere Marktmacht des Mega-Wohnungs-Monopols gewesen sein.

„Dann kommen irgendwelche Spekulant:innen“

Dass die notwendige Mehrheit nicht zusammenkam, liegt jedoch offenbar weniger daran, dass dies eine Mehrheit der Aktionär:innen wirklich aus wirtschaftlichen Überlegungen schlecht fände – sondern dass sich kurzfristig große Hedgefonds über Investmentbanken bei der Deutsche Wohnen eingekauft hatten und sich nun verspekuliert haben. Ihr Ziel war es, nur mit einem Teil ihrer Aktien zuzustimmen, um die Fusion zwar über den Berg zu bringen, letztendlich aber mit den restlichen „Gegenstimmen“-Aktien ein gutes Geschäft bei einer kommenden Abfindung zu machen. Daraus wird nun wohl nichts.

Die Kampagne „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ reagierte derweil auf Twitter mit Ironie: „Da will man einfach nur sein Ding machen und dann kommen irgendwelche Spekulant:innen und machen es einem schwer, we feel you@Rolf_Buch“.

Am 26. September wird es in Berlin den Volksentscheid zur Enteignung aller Wohnungskonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen geben, das erforderliche Quorum ist erreicht. Davon wären sowohl Deutsche Wohnen als auch Vonovia betroffen.


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