Amnesty International dokumentiert in einer Recherche, dass kolumbianische Polizist:innen bei den Demonstrationen im vergangenen Jahr gezielt die Augen von Protestierenden verletzten.

In Kolumbien gab es seit Ende April anhaltende Proteste gegen eine geplante neoliberale Steuerreform durch den Präsidenten Iván Duque Márquez , die besonders die Arbeiter:innenklasse belasten würde, da sie vor allem Produkte des täglichen Lebens und darüber hinaus auch die Renten stärker besteuern würden. Außerdem wurden die horrende staatliche Repression und die allgemeine Notlage der Massen angeprangert.

Kolumbien: Proteste in Cali flammen wieder auf

Der Staat reagierte mit massiver Polizeigewalt gegen die Demonstrierenden, und es wurden zahlreiche Menschen getötet, verschleppt oder verletzt. Besonders die gravierenden Augenverletzungen wurden durch den neuen Amnesty International Bericht belegt.

Gezielt auf die Augen geschossen

Der Bericht zeigt mithilfe von mehr als 300 verschiedenen Videomitschnitten aus der Zeit von April bis Oktober, dass „[…] Polizeikräfte in zahlreichen Fällen friedlichen Protestierenden mit potenziell tödlichen Waffen absichtlich ins Gesicht […]“ schossen und dabei die Folgeschäden in Form von Erblindungen „billigend in Kauf“ nahmen.

Nach Einschätzung von Matthias Schreiber, Amerika-Experte bei Amnesty International, würde diese brutale Gewalt nicht dazu dienen, die Ordnung auf den Straßen wieder herzustellen, sondern es ginge eindeutig um eine Bestrafung von demonstrierenden Menschen. Die Polizei wolle die Demonstrierenden einschüchtern und somit weitere Proteste verhindern.

Neoliberalismus und Überwachung

Das brutale Vorgehen der Polizei in Kolumbien muss gleichzeitig mit Blick auf neoliberale Reformen weltweit betrachtet werden. Predigen deren Verfechter:innen zwar immer das ewige Mantra von angeblicher allumfassender Freiheit, so sorgten neoliberale Ideen ausschließlich für das genaue Gegenteil: eine drakonische Erhöhung der Überwachungsmaßnahmen und Rüstungsressourcen, bei gleichzeitiger Verarmung der Menschen.


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