Immer mehr Menschen sind auf die Spenden von Hilfsorganisationen angewiesen. In einigen Städten verhängen Tafeln Aufnahmestopps. Die Gründe dafür sind vielfältig, hängen aber mit der aktuellen Wirtschaftskrise zusammen.

Schon 2019 waren rund 1,5 Millionen Bedürftige auf die Lebensmittelspenden angewiesen. Doch aufgrund der Preissteigerungen wird der Andrang immer größer. Die Schlange vor vielen Tafeln scheint nicht kürzer zu werden. Wo früher Menschen mit ihren Gehältern die Preise für Lebensmittel aus der eigenen Tasche zahlen konnten, sieht sich nun eine wachsende Zahl gezwungen, den Weg zu Hilfsverbänden zu suchen.

Einige können nun nicht anders als einen Aufnahmestopp zu verhängen so beispielsweise die Tafel in Duisburg. Vor Corona habe diese 2.100 Menschen versorgt. Aktuell bekämen etwa 3.500 Menschen wöchentliche Lebensmittelpakete, mehr könnten derweil bei bestem Willen nicht versorgt werden. Der Teil der Unterstützungsbedürftigen hat sich also innerhalb von nur zwei Jahren um fast 70 Prozent erhöht.

Oft sind es Arbeiter:innen vor allem Frauen in unsicher beschäftigten Berufen Jugendliche und Kinder, aber auch Migrant:innen, darunter nicht zuletzt geflüchtete Menschen aus der Ukraine. Besonders oft seien es auch Senior:innen, deren Rente oft zusätzlich zu einer Grundsicherung im Alter nicht ausreicht.

Aldi: Reichste Menschen Deutschlands erhöhen Preise bei 400 Artikeln – Tafel so „gefordert wie noch nie“

Ein Leben lang arbeiten – aber trotzdem reicht die Rente nicht.

Geringe Renten sind nach Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund für Altersarmut. Der Vorsitzende von “Tafel Deutschland e.V.” warnt, dass die Altersarmut uns in den kommenden Jahren „mit großer Wucht überrollen“ werde.

Dies ist bereits Realität für knapp 2,4 Millionen Rentner:innen, die heute schon in Altersarmut leben.
Dies hängt unter anderem mit der stetigen Senkung des Rentenniveaus zusammen. So ist dies seit dem Jahr 2004 von 53% auf 48% reduziert worden, wobei die Reallöhne in den meisten Berufen nicht gestiegen sind.

Diese Situation dürfte sich noch weiter verschärfen. So sind die Reallöhne für die Beschäftigten im ersten Quartal 2022 um 1,8% gesunken und werden es durch die Inflation und Umverteilung zu Lasten der Lohnabhängigen auch weiterhin tun.

Lebensmittelversorgung weltweit gefährdet

Steigende Kosten für Lebensmittel sind nicht nur ein nationales oder europäisches Phänomen. Wie also sieht die Versorgung mit Lebensmitteln weltweit aus? Mehr als eine Viertelmilliarde Menschen könnten bis 2022 in extreme Armut gestürzt werden. Während 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel jedes Jahr auf den Müll landen, hungern 800 Millionen Menschen weltweit.

Die Teuerung, zusammenbrechende internationale Lieferketten, die Überproduktion an nicht verkäuflichen Lebensmitteln, aber auch zunehmende Naturkatastrophen mit immer schwierigeren Anbaubedingungen werden die Nahrungsmittelversorgung für immer mehr Menschen bedrohlich gefährden.

Für Afrika werden neue  Hungeraufstände voraus gesagt, während weltweit bereits Proteste stattfinden.

Arbeiter:innenproteste gegen Preissteigerungen in verschiedenen Ländern


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