Im dritten Quartal sind die Reallöhne nach offiziellen Angaben um 5,7 Prozent gesunken. Wir müssen uns gegen unsere Verarmung wehren! – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Bei einer derzeitigen Inflation von 10,7 Prozent vermeldete letzte Woche der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), neue Tarifabschlüsse erkämpft zu haben. In der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie soll das Einkommen der Beschäftigten beispielsweise um 5,2 Prozent steigen.

In der Papierindustrie soll die Schichtzulage um 7,5 Prozent erhöht werden. Beim Energiekonzern RWE steigen die Gehälter um 6 Prozent und bei Teigwaren Riesa steigt der Stundenlohn um 2 Euro. Somit bleiben alle aktuellen Tarifabschlüsse hinter der Teuerung zurück und bedeuten in Wahrheit eine Reallohnsenkung der Kolleg:innen.

Dabei vertritt die Gewerkschaft über 5 Millionen Arbeiter:innen und über 400.000 Beamt:innen. Somit bleiben circa 40 Millionen Arbeiter:innen in Deutschland ohne gewerkschaftliche Vertretung. Diese Arbeiter:innen müssen sich also durch eigene Betriebskämpfe einen besseren Lohn gegenüber den Chef:innen erringen. Nur den wenigsten gelingt dieser Schritt.

IG Metall akzeptiert bereitwillig Reallohnsenkung

Das Statistische Bundesamt hat nun festgestellt, dass dadurch im dritten Quartal dieses Jahres der preisbereinigte Verdienst (Reallohn) um 5,7 Prozent zurückgegangen ist. Das ist der stärkste Verdienstrückgang der Arbeiter:innen seit Erhebung der Statistik im Jahr 2008. Schon im zweiten Quartal 2020 war der Reallohn um 4,7 Prozent eingebrochen.

Kämpfen wir gemeinsam gegen Ausbeutung und Unterdrückung!

Die aktuelle Krise zeigt ein klares Bild: Es ist durchaus möglich, dass die Massenverarmung sich in Deutschland weiterhin verschärft, weil die Arbeiter:innenklasse auch für die Aufrüstung der Herrschenden und die Verwerfungen in der Weltwirtschaft zur Kasse gebeten wird.

Scheinbar müssen wir allein gegen unsere Verarmung kämpfen und an allen Ecken und Enden sparen – wenn wir das überhaupt noch können – oder von Stellvertreter:innen wie dem DGB, sozialpartnerschaftliche Einigungen ertragen, die einen Reallohnverlust nach sich ziehen.

Das “Netzwerk für Solidarität und Widerstand im Betrieb / Betriebskampf” zeigt in einer Erklärung treffend auf, dass es im Kampf für den Sozialismus auch einen anderen Weg gibt: „Kämpfen wir gemeinsam gegen die Ausbeutung und Unterdrückung des kapitalistischen Systems. Organisieren wir uns gemeinsam für eine Überwindung dieses Systems und den Aufbau einer solidarischen, einer sozialistischen Alternative!“

  • Aktivist aus Sachsen. Berichte von der ostdeutschen Provinz bis zur kritischen Infrastruktur.


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