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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Wirtschaftskrise: Stagnierender Konsum und sinkende Reallöhne

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    Der Konsum deutscher Privathaushalte stagniert in der aktuellen Krise. Das ergaben Umfragen des Wirtschaftsforschungsinstituts “Handelsverband Deutschland” (HDE). Verglichen mit dem Niveau vor der Corona-Pandemie zeigt deren Konsumbarometer, dass der Konsum deutlich gesunken ist. Viele Menschen versuchen derzeit, ihre sinkenden Reallöhne durch den Rückgriff auf Erspartes auszugleichen. Arme Haushalte können das nicht und müssen sich stark einschränken.

    Der Krisenmodus des deutschen Kapitalismus zeigt sich beim privaten Konsum. Laut einer Umfrage des “Handelsblatt Research Institute” im Auftrag des Handelsverbands HDE hat sich der Konsumindex im Juli zwar um 0,22 Prozentpunkte erhöht. Damit sei er aber deutlich weniger gestiegen als in den Monaten zuvor, was auf einen stagnierenden Konsum von Privathaushalten hindeutet.

    Noch aussagekräftiger ist jedoch, dass das Konsumbarometer mit 94,51 Zählern deutlich unter dem Vor-Corona-Wert von 100 liegt. Sein Allzeittief hatte der Index im vergangenen Oktober mit 84,14 Zählern erreicht. Das Konsumbarometer wird von den Wirtschaftsforschern im Rahmen einer monatlichen repräsentativen Befragung von 1.600 Haushalten berechnet.

    Die kapitalistische Wirtschaftskrise in Deutschland hat begonnen

    Dass der deutsche Kapitalismus nach der Überproduktionskrise 2018/19 und der Corona-Pandemie in die nächste Krisenphase geraten ist, wurde im Mai quasi amtlich: Damals meldete das Statistische Bundesamt, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge gefallen war — was nach amtlicher Definition der Statistiker:innen als „technische Rezession“ gilt. Weltweit hatte sich die Krisenphase des Kapitalismus da schon durch eine Reihe von spektakulären Bankenpleiten angekündigt.

    Bankenkrise: Platzt als nächstes eine Immobilienblase?

    Im zweiten Quartal 2023 ging das deutsche BIP mit 0,1 Prozentpunkten zwar wieder leicht nach oben. Wirtschaftsforscher:innen und -medien sind sich aber uneinig darüber, ob sich damit eine Erholung oder nur eine Atempause auf dem Weg nach unten ankündigt.

    Der stagnierende private Konsum ist angesichts historischer Preissteigerungen in den vergangenen zwei Jahren keine Überraschung. Erst in der vergangenen Woche hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass die Inflationsrate in Deutschland im Juni 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen habe — und damit trotz optimistischer Prognosen wieder höher lag als erwartet. Die heutigen Reallöhne liegen den Statistiker:innen zufolge leicht niedriger als 2015 — was einer Verarmung der Arbeiter:innenklasse während eines ganzen Krisenzyklus entspricht.

    Viele Privathaushalte versuchen vor diesem Hintergrund, ihr gewohntes Konsumniveau durch Rückgriffe auf erspartes Geld aufrechtzuerhalten. Dass Haushalte mit niedrigen Einkommen und ohne Ersparnisse dies jedoch nicht können und sich beim Konsum real einschränken müssen, geht aus den Umsatzzahlen des Einzelhandels hervor: In den ersten fünf Monaten 2023 setzten die Einzelhändler 5,7 Prozent weniger um als im Jahr davor. Im „Facheinzelhandel mit Lebensmitteln“ lag das Umsatzminus im selben Zeitraum sogar bei 10,5 Prozent. Erst im Mai legten die Einzelhandelsumsätze wieder leicht zu.

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