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Samstag, Juli 20, 2024
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    Wilder Streik in Gräfenhausen geht weiter – LKW-Fahrer:innen im Hungerstreik

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    Die LKW-Fahrer:innen gehen in die nächste Runde: Die Fahrer:innen setzen den längsten bekannten LKW-Streik Europas fort und treten in den Hungerstreik. Dabei wehren sie sich entschlossen auch gegen die Repression durch die Unternehmensführung. 

    Es handelt sich um den längsten bekannten Streik von LKW-Fahrer:innen in Europa. Seit Mitte Juli streiken rund 100 Trucker:innen auf einem Rastplatz in Gräfenhausen, nähe Frankfurt am Main. Im April wurde bereits von anderen Fahrer:innen derselben Subunternehmen gestreikt. Gegen sie wurde damals eine Privat-Miliz eingesetzt. Und schon wieder warten in Gräfenhausen streikende Fahrer:innen auf ihren Lohn, den sie seit teilweise sieben Monaten nicht erhalten haben. Insgesamt schuldet die polnische Unternehmensgruppe Mazur ihnen rund eine halbe Million Euro. Natürlich wird das von Mazur, sowie allen unzähligen Firmen, die in die Lieferketten involviert sind, offiziell bestritten.

    Niemand fühlt sich verantwortlich

    Die Fahrer:innen kommen aus Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan, der Ukraine und der Türkei. Mazur stellt gezielt Menschen aus Nicht-EU-Ländern ein, um effektiv Überausbeutung zu organisieren von der vor allem westeuropäische Konzerne profitieren. Das ermöglicht zum Beispiel das koppeln der Visa an Arbeitsverträge und verschärft damit das Zwangsverhältnis. Zu den Auftraggebern und Endprofiteuren zählen unter anderem Porsche, Audi, VW, DHL, Redbull, Obi, Bauhaus und Ikea. Trotz des, erst im Januar in Kraft getretenen, Lieferkettengesetzes fühlt sich niemand verantwortlich.

    120 Fahrer:innen in Gräfenhausen: Wilder LKW-Streik breitet sich aus.

    Seit August werden zu dem Thema Beschwerden beim zuständigen Bundesamt eingereicht, doch mehr inhaltsleere Appelle, diesmal von Hubertus Heil, „ die deutschen Großunternehmen“ sollen „bei der Auswahl ihrer Speditionen ihrer Verantwortung gerecht werden“, konnten bislang nicht verzeichnet werden.

    Nun treten sie in den Hungerstreik

    Langsam kippt die Stimmung der Streikenden. Hoffnungsfunken werden immer wieder erstickt. Die Aufmerksamkeit und damit die Solidarität der Zivilbevölkerung schwindet allmählich. Trotzdem kämpfen die Arbeitenden weiter um ihre Löhne. Und damit um die Existenzsicherung vieler im Ausland verbliebener Familien, die ebenso auf das Geld warten und angewiesen sind. Nun haben sie sich entschieden in den Hungerstreik zu treten. “Wir sehen hier nicht genug Fortschritt und deswegen auch keine andere Möglichkeit”, so der 49-jährige Fahrer Vladimir.

    Strukturelle Überausbeutung in der Logistikbranche

    Noch im April feierte ver.di den Erfolg der Streiks in Gräfenhausen. Doch wir sehen, dass dieser Erfolg nichts an der strukturellen Überausbeutung innerhalb der Logistikbranche verändert. Selbst menschenrechtliche Mindeststandards für Beschäftigte, werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht gewährleistet. Das Lieferkettengesetz kann seinen propagierten Zweck erst dann erfüllen, wenn genügend Druck auf die auftraggebenden Konzerne ausgeübt wird. Doch von der Politik ist in Zukunft nicht mehr als die übliche, fadenscheinige Bitte zur Verantwortungsübernahme zu erwarten.

    Aus diesem Grund braucht es eine kämpferische, internationalistische Organisierung, ausgehend von der Basis der Beschäftigten. Der Logistiksektor ist ein entscheidender Angelpunkt für kapitalistisches Profitstreben. Es gilt der Vereinzelung der Beschäftigten in den Subunternehmen, sowie rassistischen Spaltungen zwischen EU- und Nicht-EU-Fahrer:innen entgegenzuwirken. Das Beispiel Gräfenhausen, die härte mit der versucht wurde den wilden Streik zu brechen, beweist seine potenzielle Schlagkraft.

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