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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Wirtschaftskrise: Industrieproduktion in Deutschland weiterhin im Abwärtstrend

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    Die kapitalistische Wirtschaftskrise setzt sich fort: Der August ist bereits der vierte Monat in Folge, in dem die Gesamtproduktion im Vergleich zum Vormonat gesunken ist. Inzwischen rechnen IWF und Bundesregierung mit einer Rezession für 2023.

    Im Vergleich zum vorherigen Monat ist die Industrieproduktion in Deutschland im August um 0,2% gesunken, schaut man sich den Vorjahresmonat an, sind es sogar 2%. Besonders betroffen sind die Bau-, Maschinenbau- und Energiebranche, andere Bereiche wie zum Beispiel die Autoindustrie konnten hingegen ein Plus verzeichnen. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft auch im dritten Quartal diesen Jahres insgesamt geschrumpft ist.

    Die Industrieaufträge haben im Gegensatz zur Produktion deutlich zugenommen: Von Juni bis August stiegen die Auftragszahlen um 4,9% im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten. Das Bundeswirtschaftsministerium interpretiert diese Zahlen so, dass die deutsche Industrieproduktion nun an der Talsohle angekommen sei und eine Erholung zum Jahreswechsel zu erwarten sei. Laut Jörg Kramer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, lasse sich aus diesen Zahlen allerdings noch keine bevorstehende Trendwende bei der Industrieproduktion ableiten. Gegenüber der Tagesschau erklärte er, dass v.a. die Aufträge, die während der Corona-Pandemie liegengeblieben waren, nun abgearbeitet wurden.

    Die Wirtschaftskrise in Deutschland zeichnet sich nicht nur durch die allgemein sehr schlechten wirtschaftlichen Kennziffern aus, sondern auch dadurch, dass die Konjunkturprognosen deutlich nach unten korrigiert werden mussten. Im Vergleich zu ähnlich entwickelten Volkswirtschaften sticht Deutschland hier deutlich negativ heraus, andere Länder konnten ihre Konjunkturaussichten nämlich relativ stabil halten. Das liegt wohl vor allem daran, dass die stark strauchelnde Industrieproduktion für die deutsche Wirtschaft eine höhere Wichtigkeit hat als in anderen Ländern.

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    Deutsche Wirtschaft hinkt im Vergleich hinterher

    Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,5% im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist Deutschland im Vergleich zu anderen wirtschaftlichen Großmächten das einzige Land, was 2023 eine Rezession erleben wird. Die Bundesregierung hat ähnliche Prognosen für das laufende Jahr, doch hofft sie auf einen Anstieg des BIPs um 1,3% für 2024. Der IWF hingegen rechnet nur mit 0,9%, also einem deutlich langsameren Wirtschaftswachstum. Dies lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass Robert Habecks Wirtschaftsministerium fürs nächste Jahr mit einer deutlich geringeren Inflation rechnet als der IWF. So oder so schneidet Deutschland auch für 2024 im internationalen Vergleich sehr schlecht ab.

    Gegenüber dem Handelsblatt  machte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas die Energiepreise für die deutlich höhere Inflationsprognose verantwortlich: „Einige unserer jüngsten Arbeiten zeigen, dass die Überwälzung der höheren Energiepreise die Kerninflation im Euro-Raum stark nach oben getrieben hat.“ Auch der Direktor des “Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung” (IMK), Sebastian Dullen, stimmt dieser Analyse zu. Gegenüber dem Handelsblatt sagte er: „Die Bundesregierung sollte sich endlich ehrlich machen und eingestehen, dass die Wirtschaft weiterhin massiv unter den Folgen des Energiepreisschocks leidet.“

    Nachdem die Nominallöhne in diesem Jahr zumindest im geringen Umfang gestiegen sind (die Reallöhne sind erheblich gesunken), wird eine Stabilisierung und Steigerung des privaten Konsums erwartet, nachdem dieser 2023 um 0,5% gesunken ist. Allerdings rechnet der IWF lediglich mit einer Steigung von 2,1%. Je nachdem, wie sich die Teuerungen entwickeln, könnte der Anstieg aber auch noch geringer ausfallen.

    Insgesamt hat sich die deutsche Wirtschaft noch immer nicht von der Überproduktionskrise 2018/19 erholt – die Industrieproduktion liegt immer noch unter dem Vorkrisenniveau von November 2017 – und befindet sich nun bereits in der nächsten zyklischen Krise.

    Immer häufiger werden in diesem Kontext auch Stimmen aus der kapitalistischen Wirtschaft laut, die davon sprechen, Entlassungen seien wohl unumgänglich, um mit dieser Situation umzugehen. Damit schlagen die Unternehmen den Weg in Richtung typischer „Krisenbekämpfungsmaßnahmen“ ein. Arbeiter:innen zu entlassen, schwächt aber logischerweise die Kaufkraft der Bevölkerung hierzulande weiter und wird die Krise somit verschärfen.

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