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Freitag, Juli 19, 2024
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    Satte Profite bei RWE – kaum Gewinne für die Umwelt

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    Der Energiekonzern RWE meldet, dass sich die Gewinne in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt haben. Der Zuwachs kommt von gesteigerten Investitionen, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Essener Konzern gibt schon seit längerem an, die „Grüne Wende” und auch den Kohleausstieg perspektivisch umzusetzen. Allerdings gründen sich die aktuellen Zahlen auch auf dem Handel mit klimaschädlichem Flüssiggas.

    3,4 Milliarden Euro Nettogewinn hatte RWE Ende September diesen Jahres eingefahren. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2022. Der Ukrainekrieg hatte damals für große Einbußen gesorgt, weil Steinkohlelieferungen aus Russland wegfielen.

    Jetzt hat RWE den Rückgang mehr als eingeholt und die Erwartungen überschritten: „RWE wächst, und das sehr profitabel“, sagte Finanzvorstand Michael Müller am Dienstag bei der Vorstellung der Milliardengewinne. Laut Konzernleitung kommen die hohen Gewinne vor allem aus „starken Investitionstätigkeiten“ des Unternehmens weltweit. Dazu zählen verschiedene Projekte in der Windkraft oder die Übernahme des US-amerikanischen Solarstrom-Konzerns “Con Edison” aus New York City.

    Umstrittenes Flüssigerdgas und faule Kompromisse beim Kohleausstieg

    Außerdem ist RWE im Stromhandel aktiv. Hier war vor allem der Handel mit Strom aus der Verbrennung von Flüssigerdgas bedeutend. Flüssigerdgas (oder LNG) erzeugt nicht nur bei der Verbrennung viele Emissionen, sondern hat auch wegen aufwändiger Transportwege eine sehr schlechte Umweltbilanz.

    Der fossile Brennstoff gewann für europäische Staaten vermehrt an Bedeutung, seit Sanktionen gegen Russland den Zustrom von Erdgas über Pipelines einschränkten.

    EU und Großbritannien: LNG statt Erdgas aus Russland

    Eine neue Studie legt nahe, dass LNG sogar umweltschädlicher sei als Kohle, nicht nur wegen der direkten Emissionen, sondern auch wegen umständlicher Förderung und Transportwege. Wie auch jetzt bei der Veröffentlichung des Gewinnzuwachses rühmt sich RWE oft damit, den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben, den auch die Politik vorgegeben hat. Zentrales Ziel ist dabei auch ein angestrebter Kohleausstieg. Kürzlich aber hat Finanzminister Lindner (FDP) diesen erneut in Frage gestellt.

    Lindner gegen Kohleausstieg 2030: Das schwarze Schaf in der Regierung?

    Damit ist unklar, ob RWE seine Kohlekraftwerke wirklich wie angekündigt bis 2030 abschalten wird. Ohnehin plant der Energiekonzern neue Gaskraftwerke zu bauen, die genau wie in Großbritannien dann einspringen sollen, wenn zu wenig Wind weht und zu wenig Sonne scheint.

    Damit sich die hohen Investitionen in die Stabilität der Versorgung lohnen, müsse der Staat diese Projekte mit Steuergeldern fördern, fordert Müller. Die Bundesregierung habe dafür aber immer noch kein Konzept präsentiert. „Da muss nun zügig etwas kommen”, meint deshalb der Finanzvorstand des Dax-Unternehmens am 14. November bei der Vorstellung der milliardenhohen Quartalszahlen.

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